Bücher
Kommentare 6

Der Einstieg in das Lesen auf Englisch

Wer sich auf meinem Blog umsieht, merkt schnell: Die liest ganz schön viel auf Englisch! Dabei war ich in der Schule nicht mal besonders gut in Englisch. Richtig losgelegt habe ich erst kurz nach dem Start meines ersten Buchblogs, denn das Lesen auf Englisch hat ganz schön viele Vorteile. Welche das sind und wie auch Euch der Einstieg gelingt, das verrate ich Euch hier!

Vorteile vom Lesen auf Englisch

Bevor ich Euch verrate, wie Ihr am besten mit dem Lesen auf Englisch anfangt, möchte ich auf die Vorteile eingehen. Das sind übrigens eine ganze Menge! Hier die wichtigsten:

  • Ihr seid immer up to date! So bald Euer Lieblingsautor ein neues Buch herausbringt, könnt Ihr es Euch besorgen und lesen. Bei meiner Lieblingsautorin Paige Toon dauert es zum Beispiel im Schnitt etwa DREI Jahre, bis ein neues Buch von ihr übersetzt in Deutschland erscheint. In der Zeit hat sie schon ZWEI weitere Bücher veröffentlicht. Das passiert auch bei vielen anderen Autoren, die Übersetzungen lassen teilweise ewig auf sich warten.
  • Ihr seid unabhängig von der Übersetzung! Noch viel schlimmer ist es natürlich, wenn sich in Deutschland eine Reihe anscheinend nicht verkauft und die Übersetzung einfach eingestellt wird. Oder die Verlage gleich abwinken, weil es angeblich keinen Markt für die neue Serie in Deutschland gibt. Ein Beispiel hierfür ist die Serie „Die Rächer“ von Brandon Sanderson: Die ersten beiden Teile der Trilogie wurden übersetzt, der dritte Teil hat bis heute keine Ankündigung. Wer wissen will, wie es ausgeht, muss auf Englisch weiterlesen.
  • Ihr lest die Stimme des Autors oder der Autorin unverfälscht! Früher habe ich öfters mal Bücher in der Übersetzung gelesen und gedacht: „So besonders gut geschrieben ist es ja nicht“. Eins meiner Schlüsselerlebnisse in der Hinsicht war die Bridgerton-Reihe von Julia Quinn. Die ersten Bände wurden von Suzanna Shabani übersetzt, die anderen von Petra Lingsminat. Ich hatte das gar nicht vorher bemerkt, nur beim Lesen fiel mir auf: „Irgendetwas ist anders“. In diesem Fall war der Unterschied nicht zu dramatisch, aber dennoch bemerkbar. Stellt Euch vor, ein wundervolles Buch wird Euch durch eine missratene Übersetzung versaut.
  • Ihr werdet nicht durch seltsame Ausdrucksweise irritiert! In englischsprachigen Ländern wird ganz anders formuliert als in Deutschland, ganz abgesehen von den regionalen Unterschiedenen. Während es in den Südstaaten ziemlich normal ist, mit „Baby“ oder „Honey“ angeredet zu werden, ist diese Anrede hierzulande eher den engsten Freundes- und Familienkreis vorbehalten. Auch wird sehr viel höflicher und zurückhaltender formuliert, während wir im Deutschen da viel direkter sind. Zumindest mir persönlich fällt es wesentlich leichter, wenn ich auf Englisch lese, diese Eigenheiten als natürlich zu empfinden.
  • Last but not least: Ihr bekommt die Bücher billiger! Es lässt sich trefflich über Sinn und Unsinn der deutschen Buchpreisbindung streiten. Fakt ist jedenfalls, dass ausländische Bücher dieser nicht unterliegen. Zudem entfällt die Übersetzung, die sich die Verlage natürlich vergüten lassen. Schließlich arbeiten die ÜbersetzerInnen häufig monatelang an einer Übersetzung und wollen bezahlt werden. Außerdem sind die englischen Bücher meistens längst nicht so aufwendig von Einband, Papier und Veredelungen her wie deutsche Bücher. Offen gestanden finde ich die deutsche Art der Buchgestaltung bei den Hardcovern zwar sehr schick, aber ich bevorzuge die billigen, leichten Paperbacks beim Lesen. Zudem müsst Ihr im Englischen meistens nicht auf die Taschenbuchfassung zusätzlich warten, die gibt es sofort zum Veröffentlichungsdatum.

Tipps zum Einstieg in das Lesen auf Englisch

Hier nun die wichtigsten Ratschläge, die Euch hoffentlich einen erfolgreichen Einstieg in das Lesen auf Englisch ermöglichen:

  • Achtet auf das Buchformat! Wenn Ihr ein Buch bestellt, stehen meistens die folgenden gedruckte Buchformate zur Auswahl: Hardcover, Paperback und Mass Market Paperback. Mass Market Paperback (im Bild oben zu sehen) ist ein spezielles Taschenbuchformat, welches in kleinen Format mit sehr kleiner Schrift und sehr dünnen Papier daher kommt. Daher sind sie meistens sehr günstig. Für Eure ersten Gehversuche in der englischen Literatur sind sie aber nicht die beste Wahl, da das Lesen eher mühselig ist, schon weil ihr die Seiten sehr stark auseinander halten müsst. Investiert daher lieber in normale Paperbacks.
  • Wählt eher kurze Bücher aus! Es ist viel motivierender dran zu bleiben, wenn Eure ersten Bücher schnell durchgelesen sind. Außerdem ist in englischen Büchern die Schrift gern mal kleiner als in deutschen Büchern, was den Umfang gegenüber deutschen Büchern bei gleicher Seitenzahl erhöht. Wobei ich das angenehm finde, denn grad in deutschen Hardcovern wird für meinem Geschmack teilweise viel zu viel Platz verschwendet, so dass ich pausenlos am Umblättern bin.
  • Startet mit Alltagsgeschichten! Meiner Meinung nach ist es leichter rein zukommen, wenn nicht zu viele neue Begriffe auftauchen. Wählt lieber ein Buch, wo Ihr bereits mit Euren Schulenglisch sehr weit kommt. Dementsprechend ist Contemporary (sinngemäß zeitgenössische Bücher) aus meiner Sicht eins der am besten geeigneten Genre zum Start, dicht gefolgt von Young Adult. Hier wird viel „normales“ Englisch genutzt und der Einstieg ist dementsprechend leicht. Andere Genres kommen gern mit einer bildgewaltigen Formulierungen und vielen Fantasy-Begriffen daher, welche nicht zum Standard-Schulenglisch gehören und die Euch daher höchstwahrscheinlich unbekannt sind. Obwohl ich nun schon seit über fünf Jahren sehr regelmäßig auf Englisch lese, bevorzuge ich bei High Fantasy die Übersetzung.
  • Schlagt NICHT ständig nach! Manche empfehlen, immer ein Wörterbuch griffbereit zu haben. Ich gebe zu, dass auch ich anfangs häufig nachgeschlagen habe. Nur reißt Euch das total aus der Geschichte raus, der Lesefluss wird schleppend und Ihr verliert die Lust am Weiterlesen. Schlagt Begriffe nur nach, wenn Ihr den Inhalt sonst überhaupt nicht versteht oder der Begriff regelmäßig auftaucht. Meistens reicht das Verständnis vollkommen aus, um der Handlung trotz einzelner unbekannter Wörter folgen zu können, denn vieles erschließt sich auch aus dem Zusammenhang. Wenn Ihr während des Lesens nachschlagen wollt, empfiehlt sich ein eReader. Beim Kindle reicht es das Wort zu markieren und schwups wird einen eine Erklärung zum Wort angezeigt.
  • Lest (und hört) in Eurem Alltag so viel wie möglich auf Englisch! Wenn Ihr Serien schaut, dann schaltet doch den englischen Ton und Untertitel ein. Ihr werdet staunen, wie sehr sich manchmal die Stimmung einer Serie verändert, wenn Ihr die Originalstimmen der Schauspieler hört. Wer richtig fit ist, kann auch nur mit englischen Ton schauen, aber ich finde den Untertitel immer sehr hilfreich. Bei Facebook könnt Ihr beispielsweise auch englischsprachigen Nachrichtenseiten folgen, ich lese zum Beispiel gern den britischen „The Guardian“. Es ist nebenher auch sehr faszinierend, wie unterschiedlich die Themen von ausländischen und deutschen Medien sein können. Es gibt auch super viele interessante Seiten wie NotAlwaysRight.com, wo es um unmögliche Kunden geht. Und natürlich zahlreiche Bücherblogs wie die Australierin Cait mit Paper Fury.

Selbstverständlich kann für Euch eine andere Vorgehensweise richtig sein, das hängt von Euren ganz persönlichen Vorlieben ab. Probiert zudem ruhig verschiedene Methoden für Euch aus.

Wie Ihr anhand der Tipps wahrscheinlich schon bemerkt habt, seid Ihr recht frei in der Wahl Euer englischen Lektüre. Falls Ihr dennoch einen konkreten Tipp haben möchtet: Ich habe damals die Bücher von Rachel Vincent verschlungen, ihre „Soul Screamers“-Serie ist leicht verständlich geschrieben und die Bücher haben mit etwa dreihundert Seiten eine gute Länge. Außerdem gibt es noch paar Kurzgeschichten. Inhaltlich geht es um ein Mädchen und seine besondere Begabung, die Reihe kann man zwischen Young Adult und Paranormal Romance ansiedeln. Die Bücher gibt es mittlerweile auf Deutsch, aber es soll ja das Lesen auf Englisch trainiert werden.

Zum Schluss sei jedoch noch einmal ausdrücklich betont:

Ein Buch, was Euch brennend interessiert, ist die beste Wahl – dann kann es auch ruhig paar Seiten mehr haben oder komplizierter geschrieben sein. Schaut doch einfach mal nach, ob Euer Lieblingsautor oder Eure Lieblingsautorin nicht auf Englisch eine neue Serie oder ähnliches herausbringt.

Was sind Eure Erfahrungen mit dem Lesen auf Englisch? Welche Bücher habt Ihr zuerst auf Englisch gelesen? Oder habt Ihr Euch bisher noch nicht getraut?

Dieser Post wurde das erste Mal am 31. März 2014 veröffentlicht, der Beitrag ist eine für diesen Blog erweiterte und überarbeitete Fassung.

6 Kommentare

  1. Was ich noch empfehlen würde, wenn man sich keinen „richtigen“ Roman auf Englisch zutraut, sind Kinderbücher. Die sind in der Regel einfacher geschrieben und es gibt so viele großartige Kinderbücher im englischen Sprachraum. Viele davon kennt man schon aus der eigenen Kindheit und es macht Spaß, wenn man eine vertraute Geschichte in einer anderen Sprache neu entdecken kann.

    Und mein zweiter Tipp wäre: Auch wenn es schwer fällt. lies regelmäßig! Mein Wiedereinstieg ins englische Lesen hat nur geklappt, weil ich mir ein Buch pro Monat fest vorgenommen hat. Ohne diese Regelmäßigkeit wäre ich schnell wieder bei deutschen Romanen gelandet, weil ich die einfach viel schneller und einfacher lesen konnte – und so klein ist die Auswahl da ja auch nicht. 😉

    • Elena sagt

      Stimmt, Kinderbücher sind eine wunderbare Möglichkeit zum Einstieg. Viele Klassiker in deutschen Kinderzimmern sind ja aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt worden und die können dann in der Originalsprache noch einmal gelesen werden 🙂

      Auch das regelmäßige Lesen kann ich unterstützen. Ich habe damals in den Jahren 2011 und 2012 an der „I’m in … English“-Challenge von Libromanie und Buchsaiten teilgenommen. Mit vielen Challenges bin ich ja nie glücklich geworden, aber bei dieser bin ich stetig am Ball geblieben und 2013 brauchte ich dann keine mehr. Solche Englisch-Challenges gibt es aber auch heute noch auf verschiedenen Blogs 🙂

  2. Sehr schöne Tipps hast du da zusammengefasst!
    Meiner wäre, vielleicht mit einem Buch zu beginnen, das man auf Deutsch bereits kennt. Bei mir persönlich war zwar Harry Potter die Einstiegsdroge, da ich ab Band 5 nicht länger auf die Übersetzung warten wollte, aber später habe ich ein paar Romane im Original gelesen, die ich auf Deutsch schon einmal gelesen hatte und das fand ich sehr hilfreich.

    • Elena sagt

      Ich weiß noch, dass ich den dritten Teil der Hunger Games sofort lesen wollte, damit hat es dann richtig angefangen 🙂 Wer Rereads mag, kann auf jedem Fall auch gut bekannte Bücher noch einmal auf Englisch lesen.

  3. Rachel Vincent ist gleich ein weiteres gutes Beispiel für deine Vorteilsliste: Die Soul Screamers Reihe wurde auf Deutsch ja leider auch abgebrochen.

    • Elena sagt

      Oh, das ist ja echt schade, dass sie das Übersetzen eingestellt haben. Ich sehe grad, nur Band 6 und 7 fehlen. Wirklich bitter, die hätten sie doch wenigstens noch als eBook rausbringen können. Aber Rachel Vincent scheint generell in Deutschland nicht so zu zünden, sehe sie ganz selten auf deutschen Blogs.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.