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Nachgefragt bei … Rike

Im Januar und somit als ersten Interviewgast im diesem Jahr habe ich Rike von RikeRandom gewinnen können. Zwar bloggt sie schon seit Jahren, zuletzt sieben Jahre auf „Anima Libri – Buchseele“ – doch erst seit drei Tagen ist ihr neues Blogprojekt online. Dort sind auch viele ihrer früheren Rezensionen online, einige folgen noch. Ich wünsche an dieser Stelle Rike viel Erfolg mit ihrem neuen Blog. Euch jetzt erst einmal viel Spaß mit dem Interview!

Interview mit Rike von RikeRandom

Wie kamst du auf die Idee, über Bücher zu bloggen?

Ich schätze, es war damals eine Mischung aus Langeweile und „Oh, ich habe einen eigenen Computer, niemand anders (aus der Familie) wird mehr sehen können, was ich im Internet mache!“. Und so als Lesetagebuch war das Bloggen schon nicht unpraktisch. Lesen war halt schon damals mein größtes Hobby und da schien ein Buchblog einfach eine logische Idee zu sein.

Fast jeder langjährige Buchblogger hat schon einmal eine Flaute erlebt, wo er wenig bis überhaupt nicht gebloggt hat. Was hat dich zum Neuanfang bewegt?

Dass die Flaute einfach nicht mehr aufhören wollte. Anfang 2017 war ich im Stress, weil ich das Frühjahr in Irland verbracht habe. Zum Bloggen blieb da keine wirkliche Zeit und auch nachdem die Zeit wieder da war, wollte die Motivation einfach nicht zurückkommen.
Und nachdem ich über ein halbes Jahr lang kaum etwas am Blog getan hatte und zwischendurch auch die eine oder andere Leseflaute hatte, dachte ich mir, dass das einfach keinen Sinn mehr macht und ich lieber neu anfangen. Dann auch mit einem Konzept, in das auch mehr als nur Bücher passt. Ich habe ja doch noch ein paar Hobbies außer Lesen, aber auf einem Blog namens „Buchseele“ wirkten die immer etwas fehl am Platz – das wird auf RikeRandom jetzt hoffentlich anders.

Wie hat sich die Buchbloggerwelt im Laufe der Zeit verändert?

Ich denke, die für mich auffälligsten Änderungen sind zum einen der Umgang von Verlagen mit Bloggern und zum anderen die Entstehung und Verlagerung der Diskussionskultur vom Blog in die sozialen Medien.
Als ich angefangen habe zu bloggen, gab es kaum Kooperationen zwischen Bloggern und Verlagen, auch Rezensionsexemplare waren eher unüblich. Das hat sich mittlerweile ja völlig geändert, Verlage veranstalten eigene Events für ‚ihre‘ Blogger, gesponserte Inhalte sind keine Seltenheit mehr und Rezensionsexemplare gehören eh zum Alltag. Von ‚Blogger, was ist das?‘ über ‚Alle Blogger herzlich willkommen‘ hin zu ‚Wir arbeiten nur mit ausgewählten Bloggern zusammen‘. Ob die Entwicklungen jetzt gut oder schlecht sind, will ich gar nicht beurteilen. Ich denke, sie sind einfach normal und gut oder schlecht werden sie erst abhängig davon, wie beide Seiten damit umgehen – da gibt es aber sicherlich einiges an Diskussionsbedarf (wie vermutlich immer, wenn irgendwo Geld ins Spiel kommt).
Mit der Diskussionskultur ist es ganz ähnlich, auf meinen ersten Blogs wurde jeder noch so langweilige Beitrag meist mehrfach kommentiert, und mittlerweile herrscht in den Kommentarbereichen vieler Blogs oft gähnende Leere. Dafür geht es in den sozialen Medien immer wieder hoch her. Wie das auf Facebook läuft, weiß ich zwar nur vom Hörensagen , bin aber bei jeder Erzählung wieder froh, da nicht aktiv zu sein. Auch auf Twitter nimmt das teils etwas … seltsame Züge an, teils funktioniert es aber auch sehr gut. Ich bin gespannt, wie sich das in Zukunft entwickelt und welchen Einfluss da vielleicht auch solche Dinge wie das Projekt Gondor statt Mordor und kritische Bloggersessions auf Messen und Co. haben werden.

Wie hältst du es mit Rezensionsexemplaren in deinem Blog?

Ich habe kurz nach dem Start von Anima Libri angefangen Rezensionsexemplare anzufragen und werde das wohl auch beibehalten. Ich habe mir allerdings vorgenommen (und im vergangenen Jahr auch schon semi-erfolgreich damit angefangen), da in Zukunft wesentlich wählerischer zu sein und weniger bzw. gezielter anzufragen.
Ansonsten habe ich die Erfahrung gemacht, dass sich die Bücher irgendwann stapeln und ich mit dem Lesen, und vor allem dem Rezensieren, nicht mehr hinterherkomme. Auch weil ich manchmal einfach die Lust an Titeln verliere, die beim Anfragen eigentlich noch großartig klangen. Durch die lange Blogpause im letzten Jahr, hatte sich da leider trotzdem einiges angesammelt, was ich jetzt zum Glück abgearbeitet und teils schon vorab, teils nach und nach im neuen Blog veröffentliche.
Im neuen Blog sind Rezensionen zu Rezensionsexemplaren direkt zu Beginn des Artikels und in der Bibliographie gekennzeichnet, damit alles schön transparent bleibt. Allerdings macht es für mich bei der Bewertung keinen Unterschied. Ob selbst gekauft, geschenkt oder im Austausch für eine Rezension zur Verfügung gestellt – was mir nicht gefällt, wird schlechter bewertet als das, was beim Lesen Spaß gemacht hat, und da habe ich auch herzlich wenig Skrupel.

Wenn dich ein Litblogneuling nach einem Tipp fragen würde, welchen würdest du ihm geben?

Bloggen ist ein Hobby, es sollte Spaß machen. Wenn es das nicht tut, dann sollte man seine Herangehensweise dringend überdenken. Und: Bloggen ist kein Wettbewerb!
Meiner Erfahrung nach ist das wirklich das Hauptproblem am Bloggen: Wenn das Hobby zum Stressfaktor wird und/oder Neid sich breitmacht. Wenn das passiert, sollte man sich dringend Gedanken darübermachen, warum das so ist und was man vielleicht mal an der eigenen Einstellung ändern sollte, das gilt nicht nur für Blogneulinge. Aber gerade denen kann ich halt nur raten, von Anfang an entspannt an die Sache heran zu gehen und sich zu nichts zu zwingen – sonst wird die Blogger-‚Karriere‘ vermutlich auch keine allzu lange.

Was hat deine Leseleidenschaft geweckt?

Das ist in meinem Fall wohl mehr ein Wer? als ein Was?, nämlich meine Eltern. Die haben schon früh angefangen mir vorzulesen und mich, sobald ich selbst lesen konnte, immer mit passendem Lesestoff bzw. einem Bibliotheksausweis und später auch mit entsprechenden Taschengeldzuschüssen (von ganz bezahlt, über 50 % für deutsche / 100 % für englische Bücher, zu 50 % nur für Englisches gab es da einige Modelle im Laufe der Zeit) versorgt.
Von Büchern umgeben aufzuwachsen hat also, vermutlich in Kombination mit ein paar einfach grundsätzlich vorhandenen bibliophilen Tendenzen, hat mich also einfach schon als Kind zur Leseratte gemacht.

Dein absolutes Lieblingsgenre ist Young Adult (?) – gab es da ein Schlüsselerlebnis oder „warst“ du schon immer so?

Ich musste so lachen, als ich diese Frage (bzw. das Statement zu Beginn [Anm. d. Red.: Das Fragen abgeändert werden können]) gelesen habe, dass ich sie jetzt nicht mehr ändern möchte, auch wenn die Aussage, dass YA mein Lieblingsgenre sei, mittlerweile totaler Unsinn ist (und, wie das Fragezeichen vermuten lässt, auch nicht so gemeint, sondern zur Änderung gedacht war).
Ich fand YA mal großartig, allerdings war das vor gut zehn Jahren, danach ging diese Beziehung stetig bergab und mittlerweile gehört YA zu den Genres, mit denen ich meist so gar nichts anfangen kann. Viele der immer wiederkehrenden Muster, die sich in diesen Büchern finden lassen, finde ich einfach nur noch nervig und ermüdend.
Allerdings fand ich schon immer, auch als ich noch YA gelesen habe und im Grunde schon lange davor, seit mir zum Einschlafen Märchen vorgelesen wurden, alles Phantastische, also auch Fantasy und Science Fiction toll. Das hat sich bis heute nicht geändert, nur darf es bitte mittlerweile einfach kein YA mehr sein. Und auch innerhalb des weiten Felds der SF/F hat sich mein Geschmack verschoben, weg von Urban Fantasy und Dystopien, hin zu High Fantasy, Space Operas, Steampunk und ähnlichem.

In welches Buch würdest du gern einmal hineinklettern, wenn du könntest – außer Harry Potter?

An Harry Potter hätte ich tatsächlich gar nicht so viel Interesse, ein wirklicher Potterhead war ich eh nie . Da würde ich lieber in die Space Operas von Becky Chambers oder die Steampunk-Romane von Gail Carriger hineinklettern. Abenteuer im Weltall, voller faszinierender Aliens, oder mit dem Zeppelin durch eine Welt voller übernatürlicher Wesen sind doch viel cooler, als nochmal zurück zur Schule, egal ob magisch oder nicht, oder womöglich als Muggel zu enden!

Wie groß ist deine Wunschliste?

Ich habe ein monatliches Budget für Bücher und wenn mir ein Buch wirklich gefällt, dann kaufe ich es meist auch. Dadurch stehen auf meiner Wunschliste hauptsächlich dreierlei Arten von Büchern:

  • Bücher, die noch nicht erschienen sind – Interessante Neuerscheinungen landen auf der Wunschliste, weil ich ungerne Bücher vorbestelle (Ausnahmen gelten für Fortsetzungen meiner Lieblingsreihen), sie aber halt auch nicht bis zum Erscheinen vergessen möchte.
  • Bücher, die mir zum „mal eben so“-Kaufen zu teuer sind – Solche Titel wandern irgendwann im Oktober/November dann auch auf den Wunschzettel, den ich an die Familie weitergebe, in der Hoffnung, dass ich die Bücher dann zu Weihnachten oder zum Geburtstag geschenkt bekomme.
  • Bücher, die aktuell nicht lieferbar sind – Manchmal gibt es ja solche Bücher, die entweder out-of-print sind oder bei denen es gerade Lieferengpässe gibt (passiert gerne bei etwas obskureren fremdsprachigen und nicht englischen Titeln). Die kommen dann auf die Wunschliste, in der Hoffnung, dass sie irgendwann irgendwo wiederauftauchen.

Gibt es Autoren, die du nie wieder freiwillig lesen würdest – und warum?

Um mal ganz klischeehaft zu sein: Sag niemals nie! Klar, es gibt Autoren, mit denen habe ich eigentlich abgeschlossen (man erinnere sich an unsere CC Diskussion auf Twitter), aber ich will nicht ausschließen, dass ich nicht vielleicht irgendwann doch noch mal ein Buch von diesen Autoren lesen werde – und sei es nur, um zu überprüfen, ob es auch so auch so grottig ist, wie die Sachen, die ich schon gelesen habe.

Magst du Buchverfilmungen? Wenn ja, welches Buch sollte unbedingt verfilmt werden? Oder eben gerade nicht?

Ich bin generell nicht der große Film-Fan. Dafür finde ich Serien toll und habe auch nichts gegen Serien, die auf Büchern basieren – meiner Meinung nach funktioniert das da eh meist besser als bei Filmen. Generell gibt es aber eigentlich kein Buch, bei dem ich sagen würde, dass es unbedingt verfilmt werden sollte. Wobei ich mir das bei dem einen oder anderen Gaslight Fantasy / Steampunk-Roman ziemlich cool vorstellen würde – ich stehe nämlich auf Kostümdramen und auf alles Phantastische sowieso.

Wie stehst du zu E-Books?

E-Books sind für mich zwar kein Ersatz für gedruckte Bücher – dafür habe ich die viel zu gerne im Regal stehen – aber ich finde sie großartig für Rezensionsexemplare und vor allem meine liebste Zwischendurch-Schund-Lektüre, bei der ich kein Interesse an Print-Exemplaren habe und diese auch oft schlicht nicht existieren.
Außerdem ist so ein E-Reader einfach praktischer, als ständig mehrere Bücher mit sich herum zu schleppen. Eins habe ich meist trotzdem im Rucksack, aber falls ich davon dann doch mal eine Pause möchte, habe ich mit dem E-Reader immer noch eine größere Auswahl an Büchern als Alternative dabei.

Wie viele Stunden liest du die Woche?

Das ist wirklich total unterschiedlich, genau wie die Zeit, die ich zum Bloggen verwende. Es gibt Tage, Wochen oder auch mal Monate, in denen lese ich so gut wie nichts und es gibt Phasen – gerade in den Ferien –, da lese ich auch mal acht Stunden oder mehr am Tag, also 56+ Stunden in der Woche (wobei ich solche extremen Zeiten meist keine Woche lang ‚durchhalte‘). Aber so aufs Jahr gesehen … uff, ich schätze, dass macht schon so durchschnittlich 14 Stunden die Woche.

Vielen Dank, dass du dir die Zeit für das Interview genommen hast!

Neugierig geworden? Dann schau in Rikes Blog „RikeRandom“ vorbei!

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7 Kommentare

  1. Dass es in den Kommentaren in den letzten Jahren ruhiger geworden ist, muss ich bei mir auch feststellen – und ich glaube, dass ich auch selbst weniger kommentiere.
    Vermutlich kommt man nach mehreren Jahren des Bloggens unweigerlich mal in eine Flaute bzw. braucht man mal eine größere Veränderung. Toll, dass du dann tatsächlich einen Neuanfang gemacht und das Bloggen nicht einfach aufgegeben hast!

    • Elena sagt

      Kann das leider auch nur für mich bestätigen, sowohl, dass es weniger Kommentare geworden sind, als auch, dass ich weniger kommentiere. Asche über mein Haupt!
      Dass mit der Flaute kenne ich auch und freue mich daher sehr, dass Rike mit neuem Blogkonzept zurückgekommen ist 🙂

  2. Ich hoffe ja sehr, dass Rike mit einem Mix-Blog wieder Spaß an der Sachen hat. (Und ich grummel jetzt nicht wieder darüber, dass ich eh nicht verstehe, wieso sich jemand bei einem Hobby so begrenzt und nur über ein Thema schreibt. 😉 )

    Ein bisschen neidisch bin ich, wenn ich die Passage lesen, in der es um die Finanzierung der Bücher durch die Eltern geht. Bei mir gab es zwar auch einen Bibliotheksausweis und Bücher zu Weihnachten und Geburtstag, aber alles andere musste ich mir selber finanzieren. Immerhin hat das dafür gesorgt, dass ich schon als Schülerin diverse Jobs hatte, was grundsätzlich ja nicht schaden kann. 😉 Aber so ein Buchetat als Kind/Jugendliche wäre großartig gewesen!

    Die „Young Adult“-Frage hat mich zum Schmunzeln gebracht – danke, dass das so stehen geblieben ist. 😀

    • Elena sagt

      Ich denke, dass es um 2010 herum einfach „Mode“ war, Ein-Themen-Blogs aufzuziehen. Mittlerweile bin ich ja davon wie viele andere auch abgekommen 😉

      Ja, ich bin auch etwas neidisch, denn bei mir war das recht ähnlich wie bei dir. Gab nur ganz selten Bücher zwischendrin. Deswegen habe ich auch fast mein gesamtes Taschengeld in die Buchhandlung getragen 😀

      Das ist doch schön 🙂 Kommt davon, wenn die Fragenerstellerin zu faul ist, sich allzu lange Gedanken zu machen und sich denkt, die Interviewpartnerin trägt schon das richtige ein *grins*

    • Wie Elena schon meinte, Ein-Themen-Blogs waren Mode, man musste ja sofort und eben am besten schon am Titel erkennen, worum es geht 😆 Und der Name war dann auch letztlich mein Problem, weil ich unter dem Titel einfach nicht weitermachen wollte. Naja, jetzt hab ich ja was neues und, ja, ich habe wieder Spaß an der Sache, danke 😉

      Was die Finanzierungssache angeht: Ich bin zugegebenermaßen mehr als ein bisschen verwöhnt, was das angeht 😅 Habe das natürlich auch immer voll ausgenutzt, weshalb meine Eltern das bei mir auch Jahre früher abgebrochen haben, als bei meinem Bruder – der war da billiger, da lesefaul, während ich mehr oder weniger mein gesamtes Taschengeld für Bücher ausgegeben habe und mir dann irgendwann doch auch Nebenjobs gesucht habe 😄

      Freut mich, dass die Frage dich amüsiert hat – fand das auch zu schön, um es abzuändern. Und Elena, hätte da irgendwas außer Young Adult gestanden, hätte ich es auch brav geändert, aber so … 😁

  3. Pingback: Flashback Januar 2018 – RikeRandom

  4. Klasse Interview, ihr Zwei!
    Besonders in den Punkten, dass die Kommentare auf den Blogs immer weniger werden und dass bloggen Spaß bringen und kein Wettkampf sein soll, stimme ich dir, Rike, voll und ganz zu. Gerade letzteres wird irgendwie immer wieder gerne vergessen.

    Übrigens hatte ich gar nicht mitbekommen, dass du einen neuen Blog hast, Rike. Das Interview hat sich für mich also gleich doppelt gelohnt! 🙂

    Ganz liebe Grüße,
    Maike

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