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Reloaded: Nachgefragt bei … Holly

Wie kamst du auf die Idee, über Bücher zu bloggen?

Ich blogge eigentlich schon fast zehn Jahre, anfangs jedoch mehr über mein Leben. Damals war ich noch bei Myblog und bin dort über den ersten Literaturblog gestolpert. Die Idee fand ich super und das Bloggen wollte ich nicht aufgeben, jedoch weg vom Privaten, also habe ich auch angefangen, über meine Leseerfahrungen zu schreiben. Anfangs blieb ich noch bei Myblog, aber als ich gemerkt habe, dass ich Spaß am Rezensieren habe, bin ich zu WordPress und damit zu meinem jetzigen Blog gewechselt.

Woher nimmst du die Motivation, so ausdauernd seit mehreren Jahren zu bloggen?

Wie gesagt gehört das Bloggen für mich schon so lange zu meinem Leben dazu, ich kann mir das gar nicht wegdenken. Da in meinem Umfeld leider nicht so viele Leute lesen, gibt mir der Blog die Möglichkeit, mich auszutauschen. Außerdem habe ich so viele tolle Menschen getroffen, mit denen ich gerne Kontakt halte. Schön finde ich auch die Aktionen, die ab und zu stattfinden – Challenges, Memes oder Stöckchen. Solange ich noch irgendwie Rückmeldung bekomme, wird mir das Bloggen wohl nie langweilig.

Wie viel Zeit wendest du ungefähr die Woche zum Bloggen auf?

In den letzten Monaten war es ziemlich wenig, da ich ja mein Staatsexamen gemacht und eigentlich andauernd nur gelernt habe und kaum bis gar nichts gelesen, was nicht mit den Prüfungen zu tun hatte. Dafür nehme ich mir momentan sehr viel Zeit, eine Stunde am Tag mindestens. Das ist also ganz abhängig davon, wie beschäftigt ich gerade bin.

Was war dein schönstes Erlebnis mit deinem Blog?

Mein Blog hat mir die Möglichkeit gegeben, mein Hobby auch ein wenig zum Nebenjob zu machen. Ich bin mittlerweile externe Mitarbeiterin bei einem meiner absoluten Lieblingsverlage, was mir mein Blog ermöglicht hat.

Wie würdest du die Entwicklung in der Buchbloggerwelt beurteilen?

Ich sehe das gar nicht so kritisch wie andere. Natürlich entstehen ganz viele neue Literaturblogs, manche davon finde ich wirklich ganz wunderbar und bin froh, dass ich sie entdeckt habe, bei anderen denke ich nicht, dass sie auf Dauer die Puste dazu haben, bestehen zu bleiben. Schade finde ich jedoch, dass dieses Gefühl einer Gemeinschaft irgendwie verloren geht. Als ich angefangen habe, über Bücher zu bloggen, hatte ich immer den Eindruck, man kennt eigentlich jeden anderen Blogger auch. Das ist mittlerweile leider gar nicht mehr so.

Unterscheidet sich die englische Buchbloggerlandschaft stark von der deutschen?

Die englische Buchbloggerlandschaft ist ja noch um ein Vielfaches größer als die deutsche. Für mich ist das alles sogar ein wenig zu viel – zu viele Memes, zu aufgeblasene Designs, zu wenig kritische Rezensionen und auch eine Menge Ellenbogenmentalität. Jedenfalls wirkt es auf den ersten Blick so. Ich lese nur wenige englische Blogs, bei denen ich merke, dass ihnen wirklich etwas an ihrer Authentizität liegt. Was ich aber toll finde und auch gerne hier in deutschen Blogs sehen würde: Zusammenarbeit mit Autoren. Nicht die in Form von Interviews, sondern die Blogtouren finde ich richtig toll. Ich habe das Gefühl, in den englischsprachigen Ländern erkennen die Autoren den Wert von Bloggern mehr an.

Was macht für dich eine gute Rezension aus?

Die besten Rezensionen haben einen persönlichen Touch. Wenn ich eine Besprechung lese und wirklich erkennen kann, dass es genau diese Person geschrieben hat, finde ich das super. Bei den richtigen Leuten lese ich sogar Rezensionen zu Büchern, die ich im Leben nicht anfassen würde, nur weil sie so unterhaltsam schreiben. Ich finde, nicht der richtige Aufbau macht eine gute Rezension aus, sondern die Persönlichkeit, die dahinter steht und sich darin ausdrückt.

Wenn dich ein Litblogneuling nach einem Tipp fragen würde, welchen würdest du ihm geben?

Man sollte man selbst bleiben. Sich der allgemeinen Meinung anzupassen, macht einen auf Dauer unzufrieden, weil man nicht das tut, was man selbst möchte. Man sollte hinter dem stehen, was man tut, auch wenn es manchen Lesern nicht passt.

Dein absolutes Lieblingsgenre ist Young Adult – gab es da ein Schlüsselerlebnis oder „warst“ du schon immer so?

Eigentlich war ich schon immer so. Ich kann mir gar nicht erklären, woran das liegt, aber irgendwie bin ich bei YA hängen geblieben. Ich lese auch gern mal ein anderes Genre, aber die größten Verlockungen finde ich immer in diesem Bereich. Vielleicht, weil die Autoren sich hier nicht ganz so ernst nehmen. Sie schreiben ohne erhobenen Zeigefinger, sondern einfach, weil sie eine Idee haben, die sie loswerden möchten.

Was macht einen guten YA-Roman aus?

Sympathische, glaubwürdige Protagonisten mit einem eigenen Kopf. Da kann dann auch die Story haarsträubend unrealistisch sein, aber für mich macht ein gutes Buch aus, dass ich die Figuren gerne begleite und mit ihnen mitfiebern kann und auch will.

Nach welchen Kriterien entscheidest du, ob du ein Buch auf Deutsch oder Englisch liest?

Danach, welches die Originalsprache ist. Auch bei wirklich guter Übersetzerarbeit ist eine Übersetzung eben immer nur eine Art Interpretation dessen, was wirklich geschrieben wurde. Ist der Autor weder deutsch- noch englischsprachig, entscheidet der Preis. Oder, in Ausnahmefällen, das Cover.

Wie würdest du deinem Sub charakterisieren? War er schon immer so groß?

Schuld an meinem SUB ist Kari von Eltragalibros [nachträgliche Anmerkung: Bloggt mittlerweile als Ramona]. Bevor ich an die Uni kam, hatte ich keinen SUB. Wenn ich lesen wollte, bin ich in den Laden gegangen und habe ein Buch gekauft und war das fertig, das nächste. Doch kaum waren wir befreundet, habe ich plötzlich Bücher gehortet – schließlich hat sie mich zu Tauschticket geschickt und mir ständig neue tolle Bücher gezeigt. Das Bloggen hat dann den Rest dazu getan. Mittlerweile habe ich sogar ihren SUB übertroffen. Ich kann mir aber auch gar nicht mehr vorstellen, wie es ohne wäre. Ich könnte nicht mehr in einen Buchladen gehen, mir ein Buch aussuchen und wissen, wenn ich das durch habe, muss ich schon wieder einkaufen gehen. Lieber habe ich mein Regal voll mit Vorrat und kann mir gleich das nächste Buch herausziehen. Ich bin ein Kettenleser geworden.

Wenn du ein Meet & Greet mit deiner Wunschautor/in haben könntest, welche wäre das?

Ich glaube, Maggie Stiefvater zu treffen, wäre sicher ganz schön. Sie wirkt so nett, offen und natürlich. Vor Autoren wie Joanne K. Rowling würde ich wohl eher in Ehrfurcht erstarren und gar nicht wissen, was ich sagen soll. Aber bei Maggie kann ich mir vorstellen, dass man mal locker mit ihr einen Kaffee trinken könnte und sich dabei über Gott und die Welt unterhält.

In welches Buch würdest du gern einmal hineinklettern, wenn du könntest?

In „Linger“ von Maggie Stiefvater, vielleicht auch selbst als Wolf ein bisschen durch die Wälder streifen. Ich fand Wölfe und Werwölfe schon immer wahnsinnig interessant. Und Cole nackt zu erwischen wäre ein netter Zusatzgewinn (;

Wie stehst du generell zu Merchandising im Zusammenhang mit Büchern?

Schande über mich, aber ich bin da ja sehr anfällig dafür. Ich warte ja immernoch jedes Weihnachten darauf, dass jemand Mitleid mit mir hat und mir ENDLICH einen Gryffindorschal schenkt. *schnüff* Die Sachen müssen aber gut gemacht sein und am liebsten mag ich ja, was von den Fans selbst kommt. Ich finde, mittlerweile wirken viele Merchandiseartikel nur noch lieblos und billig (Wobei ich Harry Potter Merchandise mal ausnehmen würde, das bewundere ich immernoch – aber nur von weitem, denn dementsprechend teuer ist das meiste davon auch.).

Besuchst du Lesungen? Wenn ja, was war deine beste Lesung?

Ich wohne ja leider am Po der Welt, vor allem, seitdem ich wieder aus Bayreuth weggezogen bin. Immerhin konnte ich dort auf zwei Lesungen gehen. Dabei fand ich die Lesung von Isabel Abedi zu „Lucian“ am schönsten, weil die Autorin selbst so nett und offen war. Lesungen auf der Leipziger Buchmesse zähle ich mal nicht mit, da habe ich sowieso mehr von den Besuchern gehört als von den Autoren.

Wie viele Stunden liest du die Woche?

Je nachdem, wie viel Zeit ich habe. Das läuft ähnlich wie mit dem Bloggen. Ich würde bei meinem normalen Alltag mal schätzen, dass es im Durchschnitt 1 ½ Stunden am Tag sind, Wochenenden kann ich auch mal ganze Nachmittage auf der Couch verbringen. Wenn Hörbücher dazu zählen, dann sind das auch noch einmal 4 Stunden in der Woche – soviel fahre ich nämlich herum, um in die Arbeit und zurück zu kommen.

Hast du Leserituale und/oder Leseutensilien, die du immer nutzt?

Ich kann keine Bücher mit Schutzumschlag lesen. Den muss ich vorher entfernen und in Sicherheit bringen, damit er nicht kaputt geht. Ansonsten lese ich dort, wo ich eben bin, und stopfe irgendwas papierartiges in das Buch, anstatt Lesezeichen zu benutzen. Und ich kann kein Kapitel in der Mitte abbrechen – ich muss immer bis zum Ende lesen, sonst lässt mir die Geschichte keine Ruhe mehr.

Vielen Dank für das informative Interview und die Zeit, die du dir dafür genommen hast!

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