Rezensionen

„Das Lächeln der Fortuna“ von Rebecca Gablé

Das Lächeln der Fortuna Cover 1

Als 2011 ein Director’s Cut von „Das Lächeln der Fortuna“ als eBook erschien, habe ich dies zum Anlass genommen, das Buch noch einmal zu lesen. Schließlich bin ich seit Ewigkeiten ein großer Fan von Rebecca Gablé und ihrer Waringhams. Mittlerweile gibt es diesen Director’s Cut auch gedruckt als erweiterte Ausgabe zu kaufen, außerdem wurde das eBook um weitere Feature erweitert.


Mehr Informationen zum Buch

Autorin: Rebecca Gablé
Originaltitel: „Das Lächeln der Fortuna“
Reihe: „Waringham“ #1
Seitenzahl: ca. 1200 Seiten [Hinweis: Der Zeilenabstand wurde in der erweiterten Ausgabe offenbar sehr stark vergrößert, so dass es offiziell über 1.700 Seiten sind] Verlag: Bastei Lübbe
Veröffentlichungsdatum: 25. November 2011

Beschreibung des „Originals“
England 1360. Nach dem Tod seines Vaters, des ehemaligen Earl of Waringham, reißt der zwölfjährige Robin aus der Klosterschule aus und verdingt sich als Stallknecht auf dem Gut, das einst seiner Familie gehörte. Als Sohn eines angeblichen Hochverräters zählt er zu den Besitzlosen und ist der Willkür der Obrigkeit ausgesetzt. Besonders Mortimer, der Sohn des neuen Earl, schikaniert Robin, wo er nur kann. Zwischen den Jungen erwächst eine tödliche Feindschaft. Aber Robin geht seinen Weg, der ihn schließlich zurück in die Welt von Hof, Adel und Ritterschaft führt. An der Seite des charismatischen Duke of Lancester erlebt er Feldzüge, Aufstände und politische Triumphe – und er begegnet Frauen, die ebenso schön wie gefährlich sind. Doch das Rad der Fortuna dreht sich unaufhörlich, und während ein junger, unfähiger König England ins Verderben zu reißen droht, steht Robin plötzlich wieder seinem alten Todfeind gegenüber …

Inhalt

England 1360: Robin of Waringham ist zwölf Jahre alt, als sein des Hochverrats beschuldigter Vater stirbt und ihn Land und Titel des Earls of Waringham aberkannt werden. Fortan verdingt sich der nun besitzlose Robin als Pferdeknecht im Gestüt von Waringham. Doch dann kommt der neue Earl nach Waringham und bringt seinen Sohn Mortimer mit. Während Geoffrey Dermond Robin zu einem Edelmann zu formen versucht, macht Mortimer Robin und den Menschen von Waringham das Leben schwer. Er wird zu Robins Todfeind und eines Tages ist Robin gezwungen, Waringham zu verlassen und seinen Weg in der Welt des Adels zu finden …

Hier wird der Grundstein gelegt für die Verbindung der Waringhams mit den Geschicken des Hauses Lancasters. In diesem Teil begleitet der Erzähler Robin, welcher bald nach seinen Weggang aus Waringham in die Dienste des Dukes of Lancaster tritt. Fortan streitet er an der Seite des charismatischen Taktikers Lancaster, der schon aufgrund seines Reichtums einer der mächtigsten Personen des 14. Jahrhundert war. So wechselt das Geschehen zwischen den beschaulichen Waringham und anderen Gütern, den gefährlichen Hofleben und schicksalsträchtigen Schlachtfeldern. Robin steigt und fällt, steigt wieder auf und fällt erneut – denn Fortuna ist wankelmütig und ihr Rad dreht sich unaufhörlich …

Das Lächeln der Fortuna Cover 2

Meinung

Seit ich „Das Lächeln der Fortuna“ zum ersten Mal gelesen habe, bin ich Lancastrianerin. Wie könnte es auch anders sein nach der einnehmenden Porträtierung? Ich bewundere Rebecca Gablés geschickte Verflechtung von historischen Tatsachen mit den fiktiven Leben derer von Waringham, welches ein opulentes Bild des englischen Mittelalters ergibt. Dass sie weiß, worüber sie schreibt, darf aufgrund ihres Hintergrundes als gesichert gelten: Sie hat Mediävistik studiert. Zudem benutzt sie eine sorgsam gewählte Sprache, die mit der Geschichte harmonisiert, das Flair des Mittelalters spiegelt und somit den Roman stilistisch abrundet. Bei ihr braucht der Leser keine sprachlichen Ausrutscher in die Neuzeit durch unpassende Sprachbilder befürchten.

Ihre Figuren sind sorgfältig gezeichnet und obwohl sie mit großem Personal arbeitet, bleibt der Überblick gewahrt. Ihr Protagonist Robin ist recht untypisch für seine Zeit, aber sie versteht es, ihn dennoch Glaubwürdigkeit zu verleihen. Ihn und auch viele andere Figuren wie seine Schwester Agnes fällt es leicht lieb zu gewinnen und zu verstehen, obwohl sie teilweise gänzlich unterschiedliche Standpunkte vertreten. Es macht Freude die Entwicklung der Weggefährten von Robin zu beobachten, allen voran die des taubstummen Leofrics und des Bastards Isaac. Was mir auch sehr gut gefällt ist die Tatsache, dass die Handlung immer niveauvoll bleibt, auch bei amourösen Abenteuern. Dennoch gibt es einen kleinen Wermutstropfen: Nahezu alle Figuren sind nahezu makellos gut, haben nur kleine, leicht verzeihbare Schwächen. Den gegenüber stehen der Erzschurke Mortimer und das kleine Scheusal König Richard. Ein wenig mehr grau hätte der Geschichte an mancher Stelle doch gut getan. Dies ist aber jammern auf hohem Niveau, denn es ist ein trotz seiner Länge fesselnder Roman, der auf einen Level geschrieben ist, welch kaum ein anderer Autor zu erreichen mag.

Das Ende ist natürlich wie das Leben der Lancaster durch die Geschichtsschreibung weitestgehend vorgegeben. Doch ist es ein gut gewählter Zeitpunkt um den Band abzuschließen. Wenn nach über 1.000 Seiten dann das Buch zuzuklappen ist, muss der Leser aber nicht traurig sein: Mit den Waringhams und dem Haus Lancaster geht es nahtlos weiter in „Die Hüter der Rose“.

Abweichungen zwischen ursprünglicher und erweiterter Fassung

Die über 200 zusätzlichen Normseiten sind mir kaum aufgefallen. Nur durch Hinweise von der Autorin selbst fielen mir im Nachgang einige Episoden ein, die es in der zuerst gedruckten Fassung von „Das Lächeln der Fortuna“ nicht gab. Die zusätzlichen Seiten fügen sich wunderbar harmonisch ein und macht die ohne runde Geschichte perfekt, bekommt der Leser noch tiefere Einblicke in einzelne Figuren. Es haben sich allerdings einige kleine Fehler durch das Lektorat geschummelt. Nicht viele, aber es fiel mir aufgrund der sehr sorgfältig lektorierten Druckausgaben doch auf. Das alte Ende gefiel mir persönlich besser als das „neue“. Die letztlich gedruckte neue Variante war mir schon früher ein klein wenig überfrachtet und ich fand das Verhalten einiger Figuren nicht ganz zu ihnen passend. Das ursprüngliche Ende ist da etwas weniger dramatisch und wirkt damit besser. Zur technischen Aufmachung ist zu sagen, dass ich mir ein navigierbares Inhaltsverzeichnis gewünscht hätte. [Hinweis: Dies könnte sich in der überarbeiteten erweiterten Fassung geändert haben]

Empfehlung?

Für mich gehört Rebecca Gablé zumindest im deutschsprachigen Raum zu den besten Autoren, was historische Romane angeht. Während sich über die etwas einseitigen Charakterzeichnungen noch streiten lässt, gibt es beim Grad der Korrektheit bei historischen Details und Fakten kaum etwas auszusetzen. Wer dieses Genre liebt, sollte es auf jedem Fall mal mit ihr probieren! Wer noch nie die Waringhams gelesen hat, sollte aber „Das Lächeln der Fortuna“ vielleicht doch erst einmal in der normalen Fassung lesen, da diese mit um die tausend Seiten wahrlich lang genug ist.

In einem Satz

„Das Lächeln der Fortuna“ ist ein exzellent geschriebener Roman über den Duke of Lancaster und das englische Mittelalter, das durch die Waringham farbenprächtig wieder zum Leben erweckt wird – selten war Geschichte unterhaltsamer und dabei so lehrreich.

„Das Lächeln der Fortuna“ ist der erste Teil der Saga um die Waringhams, welche anlässlich des Erscheinens „Der dunkle Thron“ im neuen Gewand aufgelegt wurden. Der erste Teil „Das Lächeln der Fortuna“ ließ die Geschichte im Jahr 1360 beginnen, wo Robin of Waringham bald an der Seite des Duke of Lancasters kämpfte. Im zweiten Teil „Die Hüter der Rose“ ist dessen Sohn John den lancastrianischen Thronerbe treu ergeben. Der dritte Teil „Das Spiel der Könige“ hat die Zwillinge Julian und Blanche of Waringham als Protagonisten, die sich in den Wirren der Rosenkriege behaupten müssen. Im vierten Teil „Der dunkle Thron“ steht der Protagonist Nick zur Zeit des berühmt-berüchtigten Henry VIII. Tudor dessen Tochter Mary treu zur Seite, während in England die Reformation einsetzt. Im fünften Teil „Der Palast der Meere“ ist der Protagonist Isaac ein Freibeuter, während seine Halbschwester Eleanor als Spionin Königin Elizabeth I. dient.

Wer nicht genug von den Waringhams bekommen kann, sollte auch einmal auf der Website von Rebecca Gablé vorbeischauen. Dort finden sich die Stammbäume der Waringhams, die auch in „Das Spiel der Könige“ und „Der dunkle Thron“ abgedruckt worden sind. Besonders interessant sind jedoch die Artikel mit weiterführenden Informationen. So gibt es zum Beispiel einen dazu, wie es mit den Nachfahren von Julian und Blanche weiterging.

Daneben gibt es auch noch zahlreiche andere historische Bücher von Rebecca Gablé, die ich fast sämtlich gelesen habe. Um sich einen Überblick zu verschaffen, empfiehlt sich ihr kurzer Abriss “Von Ratlosen und Löwenherzen: Eine kurzweilige, aber nützliche Geschichte des englischen Mittelalters”.

Diese Rezension wurde das erste Mal am 10. Februar 2012 veröffentlicht, der Beitrag ist eine für diesen Blog überarbeitete Fassung.