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„Der Ring der Händler“ von Robin Hobb

Im neuen Jahr habe ich einen neuen Fantasy-Epos begonnen: „Der Ring der Händler“ ist der erste Teil der sechsteiligen Reihe „Die Zauberschiffe“ von Robin Hobb. Wie mir das Hörbuch gefallen hat, erfahrt Ihr in dieser Rezension.

Mehr Informationen zum Buch
Autorin: Robin Hobb
Originaltitel: „Ship of Magic: The Liveship Traders“ (erste Hälfte)
Deutscher Titel: „Der Ring der Händler“
Reihe: „Die Zauberschiffe“ #1 „Realm of the Elderlings“ #4
Übersetzer: Wolfgang Thon
Seitenzahl: 476 Seiten
Verlag: Blanvalet
Hörbuchsprecher: Matthias Lühn
Spieldauer: 16 Std. 7 Min. (ungekürzt)
Verlag: Ronin-Hörverlag
Veröffentlichungsdatum: 1. Dezember 2016

Ephron Vestrit hinterlässt seiner Familie das Zauberschiff Viviace. Es besteht aus Hexenholz und ist der kostbarste Besitz der Vestrits. Wenn auf seinen Planken drei Familienmitglieder in Folge sterben, dann erwacht das Zauberschiff zum Leben – und kein gewöhnliches Schiff kann es noch mit ihm aufnehmen. Ein solches Wunder braucht die alteingesessene, hochverschuldete Handelsfamilie auch dringend, denn skrupellose Neuankömmlinge drohen mit Sklavenhandel die alten Bräuche in Bingtown zu untergraben. Allerdings übergibt die Witwe das Schiff nicht an die Tochter Althea, wie es der Wille des Vaters gewesen wäre, sondern an ihren Schwiegersohn Kyle Haven, der als Kapitän bald sein wahres Gesicht zeigt…

Mitreißende Abenteuer-Saga um lebendige Schiffe aus Hexenholz und Händler, die mit Drachen, Sklaven und Piraten handeln.

Das Hörbuch wurde mir als Rezensionexemplar zur Verfügung gestellt.

Inhalt

Seit Generationen segelt die alteingesessene Händlerfamilie Vestrit das Lebensschiff Viviace, ihr kostbarster Besitz. Ein solches Schiff ist aus wertvollen Hexenholz gemacht und erwacht zum Leben, wenn auf seinen Planken drei Generationen hintereinander sterben. Dann kann kein gewöhnliches Schiff mehr mit ihm mithalten. Viviace Erwachens steht unmittelbar bevor, denn ihr Besitzer Ephron Vestrit ist schwerkrank und mit seinem Tod werden drei Generationen Vestrits ihr Leben auf ihren Planken ausgehaucht haben.

Althea sieht sich als die rechtmäßige Erbin des Schiffes, segelt sie doch viele Jahre mit ihrem Vater Ephron auf der Vivicae. Dass ihr von sich eingenommener Schwager Kyle Haven derzeit das Kommando innehat, sieht Althea als temporär an, schließlich versteht er überhaupt nichts von Lebensschiffen. Währenddessen sorgt sich ihre Mutter Ronica um die Zukunft der Familie, denn für den Bau der Viviace mussten sich die Vestrits hoch verschulden und kommen schon lange kaum mehr über die Runden. Und nun wollen Neuankömmlinge in Bingtown den Sklavenhandel endgültig legalisieren. Währenddessen verfolgt der Pirat Kennit weit weg von Bingtown seine eigenen hochfliegenden Pläne …

Meinung

In der deutschen Übersetzung wurden die Bücher der Trilogie „Liveship Traders“ in zwei Teile gesplittet, so dass im Deutschen „Die Zauberschiffe“ nun eine Hexalogie ist. Dies ist wichtig zu wissen, um das Buch „Der Ring der Händler“ richtig einordnen zu können. Denn Robin Hobb nutzt die erste Hälfte von „Ship of Magic“ beinahe ausschließlich zum Einführen der Figuren und so wirkt „Der Ring der Händler“ wie eine endlos lange Einleitung. Ich dachte aufgrund der Beschreibung des (Hör-)buches, dass die Handlung vielleicht direkt mit dem Tod von Ephron Vestrit einsetzen würde. Doch stattdessen vergeht die erste Hälfte des Buches, bevor er überhaupt ablebt. Auch sonst ist die Beschreibung irreführend. Und bevor die Handlung wirklich beginnt, ist das Buch vorbei.

Aus welchem Holz sie wirklich geschnitzt sind, müssen die Charaktere erst noch zeigen.

Daher fällt mir diese Rezension auch besonders schwer. Ich finde ausführliche Charakterisierungen vor allem bei High Fantasy sehr wichtig. Doch im Fall von „Der Ring der Händler“ glaube ich, dass die Beschreibungen wesentlich straffer und vor allem pointierter möglich gewesen wäre. Zwar wurden die Beziehungen der Charaktere untereinander und ihr Selbstbild hinreichend dargestellt, aber aus welchem Holz sie wirklich geschnitzt sind, müssen die einzelnen Charaktere erst noch zeigen. Insbesondere ein gewisser Streit, auf den sehr viele Seiten verwendet wurden, empfand ich wenig erhellend, nur sehr ermüdend.

Der fairnesshalber sollte allerdings auch erwähnt werden, dass Robin Hobb eine Menge Figuren einführt: Den Piraten Kennit, der ein großes Ziel vor Augen hat. Althea Vestrit, die sich als zukünftige Erbin der Vivacia sieht. Ihre Mutter Ronica, die nur das beste für die Familie will. Ihre Schwester Keffiria, die mit Kyle Haven verheiratet ist und mit ihm mehrere Kinder hat. Darunter Wintrow, der Priester werden soll. Dann ist da noch Breshen, der lange Zeit unter Ephron gedient hat. Und außerdem die zwei Lebensschiffen, die in der Beschreibung als Zauberschiffe firmieren. So viel Personal bietet natürlich eine Menge Möglichkeit, grad auch in Sachen Beziehungen, kann aber eben auch etwas sperrig einzuführen sein. Ungünstig ist es, wenn der Leser zu einen Charakter schon schnell eine Meinung hat und dann dennoch noch mehrere Szenen aufgewendet werden, die dem nichts Neues hinzufügen.

Insgesamt würde ich das Buch durchaus als vielversprechend einstufen, aber es ist etwas schwerfällig und die Erzählung hat bisher noch nicht so richtig Wind in den Segeln. Aus meiner Sicht wäre mehr Tempo bei der Handlung möglich gewesen. Aber ich bin dennoch neugierig, wie es weitergeht und hoffe doch sehr, dass mit dem zweiten Teil „Das Erwachen der Vivacia“ die ganze Angelegenheit wesentlich runder wird. Die ersten Hörbuchstunden lassen sich diesbezüglich schon gut an.

Hörbuch

Den Hörbuchsprecher Matthias Lühn kannte ich bisher nicht und so gab er bei mir mit „Der Ring der Händler“ sein Debüt.

In der ersten Stunde hatte ich den Eindruck, dass er das Hörbuch in ein Hörspiel verwandeln wollte: Statt einfach nur den Text vorzulesen bemühte er sich, die Stimmen möglichst realistisch wiederzugeben. Was dazu führte, dass ich in den Passagen, wo „der Andere“ sprach, fast nichts verstand, denn diese Stellen waren ein verzerrtes Geröchel. Anstrengend war auch eine sehr lange Auseinandersetzung, die sich über mehr als eine Hörbuchstunde zog. Im Verlauf dieser schrien die verschiedenen Charaktere sich an. Und das Nervigste an der Angelegenheit war für mich, dass es die Handlung nicht wirklich voran brachte.

Auch sonst neigte Robin Hobb zu sehr ausführliche Szenen, die dann vorgelesen das Hörbuch doch ziemlich in die Länge zogen. Dafür konnte dann zwar Matthias Lühn nichts, aber anstrengend war es dennoch. Andersherum war das Hörbuch so gut zum Nebenbeihören geeignet, da es keine große Konzentration bezüglich inhaltlicher Entwicklungen erforderte.

Unterm Strich habe ich Matthias Lühn und seiner angenehmen Stimme gern beim Vorlesen zugehört, wenn Charaktere nicht grad schrien oder röchelten. Aus meiner Sicht ein solides Hörbuch.

Empfehlung?

Für alle, die gern ein mehrbändigen Fantasy-Epos verfolgen wollen, denn als Stand Alone ist das Buch aus meiner Sicht keineswegs geeignet. Ich finde Robin Hobb als Autorin durchaus vielversprechend und würde sie Fans von Juliet Marillier („Sevenwaters“, was noch langsamer erzählt wird)  und Jennifer Fallon („Die Gezeitenstern-Saga“) empfehlen. Aber mit meinem Lieblingsautoren Brandon Sanderson kann sie bisher bei weiten nicht mithalten.

In einem Satz

Der vielversprechende Auftakt der Zauberschiffe führt ein in eine fantastische Welt mit vielen interessanten Charakteren, jedoch beginnt die Handlung erst richtig im nächsten Band.

Erscheinungstermine der Hörbücher

01.12.2016 „Der Ring der Händler“
01.01.2017 „Viviaces Erwachen“
01.02.2017 „Der blinde Krieger“
01.03.2017 „Die Stunde der Piraten“
01.04.2017 „Die vergessene Stadt“
01.05.2017 „Der Herrscher der drei Reiche“

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