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„Der unsterbliche Prinz“ von Jennifer Fallon

Auch wenn ich die letzten Jahre weniger Zeit dafür gefunden habe, liebe ich epische Fantasy-Hörbücher, wie den ersten Teil der Gezeitenstern-Saga: „Der unsterbliche Prinz“ von Jennifer Fallon. Bei der Gezeitenstern-Saga handelt es sich eine Tetralogie, so dass sie um die hundert Hörbuchstunden umfasst. In dieser Rezension stelle ich Euch den sehr gelungenen Auftakt vor.


Mehr Informationen zum Buch

Autorin: Jennifer Fallon
Originaltitel: „The Immortal Prince“
Deutscher Titel: „Der unsterbliche Prinz“
Reihe: „Gezeitenstern-Saga“ #1
Übersetzer: Katrin Kremmler und René Satzer
Seitenzahl: 652 Seiten
Verlag: LYX
Hörbuchsprecher: Oliver Siebeck
Spieldauer: 22 Std. 14 Min. (ungekürzt)
Verlag: Audible GmbH
Veröffentlichungsdatum: 15. Januar 2010

Über viele Jahrhunderte herrschten die unsterblichen Gezeitenfürsten über die Welt von Amyrantha. Doch ihre Macht ist an den Gezeitenstern gebunden: Mit der kosmischen Ebbe ließen ihre Kräfte nach und verschwanden schließlich ganz. Inzwischen scheinen die Gezeitenfürsten nur noch in den alten Legenden zu existieren: Das Sklavenvolk der Crasii bewahrt die Erinnerung an den mythischen Herrscher in seinen mündlichen Erzählungen auf. Eines Tages jedoch taucht ein Mann auf, der behauptet, Cayal, der unsterbliche Prinz, zu sein. Sind die Gezeitenfürsten zurückgekehrt?

Die junge Herzogin Arkady kann nicht daran glauben, und doch übt der unbekannte Prinz eine unbeschreibliche Anziehungskraft auf sie aus. Während sie seinen Geschichten lauscht, wird ihr bewusst, dass ihrer Heimat der apokalyptische Untergang droht…

Inhalt

Ein junger Mann überlebt seine Hinrichtung und behauptet, er sei Cayal, der unsterbliche Prinz und einer der Gezeitenfürsten. Die Macht der Gezeitenfürsten ist an den Stand des Gezeitensterns gebunden, sie steigt und fällt mit den Gezeiten. Doch in der Welt von Amyrantha sind die unsterblichen Gezeitenfürsten nur noch Mythen, die in den Legenden des Sklavenvolkes der Crasii und in einem Tarot weiterleben.

Da nach der gescheiterten Hinrichtung politische Verwicklungen gefürchtet werden, wird die junge Herzogen Arkady hinzugezogen, um den Gefangenen zu verhören. Arkady glaubt, Cayal mit ihrer großen Intelligenz überführen zu können. Doch stattdessen wird sie von seinen Erzählungen aus einen über 8.000 Jahre währenden Leben als Herrscher der Gezeiten gebannt. Nicht nur, dass Arkady sich zu Cayal hingezogen fühlt, zudem beginnt ihr rationaler Verstand zu zweifeln: Könnten seine Geschichten wahr sein? Und was bedeutet es für ihre Welt, wenn die Flut und damit die Macht der Gezeitenfürsten zurückkehrt?

Meinung

Der starke Auftakt entführt in eine Welt, wo die Spuren des Glaubens an die Gezeitenfürsten noch allgegenwärtig sind, aber fast keiner mehr die Geschichten über sie für wahr hält. Arkady ist die Frau des Fürstens Stellan Desean, ein mächtiger und loyaler Ratgeber des Königs. Zusammen verbergen sie jedoch ein Geheimnis vor dem König. Ein guter Freund Arkadys aus Kindertagen ist Declan Hawkes, der erste Spion des Königs und somit sein Auge und Ohr in den Provinzen. Er ist es auch, der Arkady auf Cayal ansetzt. Nach und nach verdichtet sich die Handlung und es wird deutlich, dass viele der Beteiligten ihre Geheimnisse hüten und nichts und niemand so ist, wie es zunächst zu sein scheint. Erzählt wird aus vielerlei Perspektiven, jedoch werden weite Teile der Handlung durch die von Cayal geschilderten Erinnerungen getragen.

Es gibt nur eine wirklich nennenswerte Schwäche aus meiner Sicht und das ist die Tatsache, dass Cayal in über 8.000 Jahren keinen einzigen Menschen wie Arkady getroffen haben will, welche wiederum besonders hartnäckig die Augen vor der Wahrheit verschließt. Eine etwas differenzierte Darstellung hätte Arkady gut getan.

Erwähnt werden sollten auch folgende Punkte, welche das Lesevergnügen aus meiner Sicht aber nicht nennenswert beeinflussen: Dass die Unsterblichen sich in all der Zeit charakterlich nicht weiterentwickelt haben, erscheint mir einerseits etwas unglaubwürdig. Aber andererseits wird es im Buch ansatzweise erklärt und manche Leute entwickeln sich ja Zeit ihres Lebens nicht weiter. Warum sollte es da bei Unsterblichen anders sein? Zudem sei das gewaltige Personal erwähnt: Jede Figur hat ihren Sinn in der Handlung und ist nicht bloßes Beiwerk, doch durch die unglaubliche Menge (etwa 30 relevante Personen nur im ersten Teil) hat man doch grad beim Hörbuch teilweise arge Probleme – vor allem bei den Unsterblichen – zuzuordnen, wer jetzt noch einmal wie zu wem stand.

Wenn man aber mit all den vorgenannten Sachen leben kann, wird man mit einer fantasievollen und detailliert ausgearbeiteten Welt belohnt, wo alles einen doppelten und dreifachen Boden hat. Als Beispiel seien Crasii, Mischwesen aus Mensch und Tier, angeführt. Der Umgang mit ihnen ist ambivalent, sollten sie nun als Menschen oder Tiere behandelt werden? Die Gezeitenfürsten: Sind sie Monster oder mit Verständnis zu betrachten?

Hörbuch

Eigentlich mag ich keine männlichen Sprecher, aber Oliver Siebeck hat mich während des Hörbuchs total überzeugt. Es war nicht möglich, den jeweiligen Charakter anhand der Stimme wiederzuerkennen, aber bei der enormen Menge an Figuren war das sowieso zum Scheitern verurteilt. Dennoch wäre es schön gewesen, wenn jede Figur in einer Stimmlage geblieben wäre.

Wermutstropfen ist auch bei diesem Hörbuch, dass die ganzen Fantasienamen der Charaktere und Ortsmarken einen nicht schriftlich vor Augen stehen. Deshalb habe ich öfters in einen Wiki zu Jennifer Fallon nachgeschlagen, um zumindest zu erfahren, wie die Charaktere geschrieben werden. Gibt es in der gedruckten Ausgabe eigentlich eine Karte der Welt von Amyrantha?

Trotz der Tatsache, dass das Hörbuch ungekürzt ist und mit der unglaublichen Länge von 22 Stunden aufwartet, gab es nur zwei kurze Stellen, wo ich mir etwas mehr Tempo gewünscht hätte.

Empfehlung?

Jennifer Fallon legt mit dem ersten von vier Teilen ein gelungenes Fundament für die Saga. Diese schwächelt zwar ab dem dritten Band, ist aber definitiv sehr lesens- bzw. hörenswert. Kritik am ersten Band lässt sich vor allem dahingehend äußern, dass der Leser mit Informationen überflutet wird, die nur einmal vorkommen. Diese besitzen in den Folgebänden durchaus Relevanz, werden dann aber auch meistens wiederholt. Dennoch mochte ich den ersten Teil sehr und würde ihn auch heute noch empfehlen.

In einem Satz

Mit „Der unsterbliche Prinz“ führt Jennifer Fallon in die fantastische Gezeitenstern-Saga ein, wo die Kräfte der Gezeitenfürsten an eben diesen gebunden sind und erschafft so ein einzigartiges Universum.

Diese Rezension wurde das erste Mal am 14. März 2011 veröffentlicht, der Beitrag ist eine für diesen Blog überarbeitete Fassung.

2 Kommentare

  1. Von der Gezeitenstern-Saga habe ich schon öfter gehört, ihr bisher aber nicht viel Aufmerksamkeit geschenkt. Inhaltlich klingt sie aber ganz interessant – vielleicht sollte ich mir die doch mal merken.

    • Elena sagt

      Da unser Geschmack bisher doch oft auseinander ging, werde ich mich vor Aussagen in die Richtung hüten, dass es dir ganz bestimmt gefällt 😀 Aber wenn du von ihr noch nichts ausprobiert hast, wäre es auf jedem Fall mal einen Versuch wert 🙂

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