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„Eliza and Her Monsters“ von Francesca Zappia

Manchmal habe ich Glück und dann stolpere ich über Buchjuwel, wie es „Eliza and Her Monsters“ von Francesca Zappia ist. Obwohl ich mit Graphic Novels eher weniger etwas anfangen kann, hat dieses Buch mich bezaubert und in meine eigene Jugend zurückversetzt – etwas, was nur sehr wenige Bücher schaffen. Derzeit ist das Buch im Rennen um den Titel „Best Young Adult Fiction“ bei Goodreads, daher ist es höchste Eisenbahn, etwas Werbung für dieses Buch zu machen!

Mehr Informationen zum Buch
Autorin: Francesca Zappia
Originaltitel: „Eliza and Her Monsters“
Seitenzahl: 385 Seiten
Verlag: Greenwillow Books
Veröffentlichungsdatum: 30. Mai 2017

In the real world, Eliza Mirk is shy, weird, and friendless. Online, she’s LadyConstellation, the anonymous creator of the wildly popular webcomic Monstrous Sea. Eliza can’t imagine enjoying the real world as much as she loves the online one, and she has no desire to try.

Then Wallace Warland, Monstrous Sea’s biggest fanfiction writer, transfers to her school. Wallace thinks Eliza is just another fan, and as he draws her out of her shell, she begins to wonder if a life offline might be worthwhile.

[…]*wegen eines großen Spoilers gekürzt

Inhalt

In der echten Welt ist Eliza Mirk schüchtern, seltsam und ohne Freunde. Online ist sie LadyConstellation, die anonyme Schöpferin des unglaublich beliebten Webcomics „Monstrous Sea“. Die Arbeit am Comic nimmt Elizas ganze Freizeit in Anspruch und sie hat gar kein Bedürfnis, mehr Zeit offline zu verbringen.

Dann wechselt Wallace Warland an ihre Schule und es stellt sich heraus, dass er der größte Fan-Fiction-Schreiber für „Monstrous Sea“ ist. Wallace hält Eliza nur für einen weiteren Fan und lockt sie allmählich aus der Reserve. Sie kommen sich immer näher, doch kann Eliza Wallace ihr großes Geheimnis anvertrauen?

Meinung

Online vs. Realität

Was mir an diesem Buch so wahnsinnig gut gefiel, war die einfühlsame und realistische Beschreibung von Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die viel Zeit online verbringen. Dass es im Internet richtige Communitys gibt, von der sich Teile auch in der Realität treffen. Dass tiefe und langjährige Freundschaften möglich sind. Und der Plot des Buches eben nicht darin besteht davor zu warnen, dass das Gegenüber in Wahrheit ein „Axtmörder“ sein könnte.

There are monsters in the sea.

Stattdessen richtet Francesa Zappia den Fokus darauf, dass das Internet ein Zufluchtsort für Menschen sein kann, die aus den verschiedensten Gründen in ihre Umgebung nicht richtig hineinpassen. Dass aus Hobbys durchaus etwas finanziell Solides entstehen kann. Und dass Eltern die Online-Aktivitäten ihrer Kinder nicht pauschal als defizitär gegenüber der „Realität“ abstempeln sollten.

Überhaupt fand ich es sehr gut, dass hier die strikte Trennung von „Online“ und „Realität“ aufgelöst wird. Vor den Computern sitzen eben ganz reale Menschen und die Beziehungen sind nicht als minderwertig anzusehen, weil sie via Messenger erfolgen. Entscheidend ist nicht das Kontaktmedium, sondern die Intensivität.

Charaktere

Aber kommen wir zu den Charakteren! Da ist Eliza, die unter Ängsten und Depressionen leidet, und deren ganzes Leben sich um ihren Comic „Monstrous Sea“ dreht. In der Schule versucht sie bloß nicht aufzufallen und ihre Kleidung ist ihr völlig egal. Dann ist da Wallace, welcher unter selektiven Mutismus leidet, aussieht wie ein Football-Spieler – aber ein Fan-Fiction-Schreiber für „Monstrous Sea“ ist! Die Entwicklung der Freundschaft der beiden ist einfach bezaubernd: Wie sie sich vorsichtig annähern, trotz Elizas massiver Zurückhaltung, trotz Wallaces Stummheit, das ist sehr gefühlvoll und glaubwürdig beschrieben.

You found me in a constellation.

Eine wichtige Rolle spielen auch die „Online-Freunde“. In Elizas Fall sind das Max und Emmy, wobei Max Anfang Zwanzig ist und Emmy 14. Das zeigt, dass im Internet das Alter zurücktritt und andere Dinge viel wichtiger sind. Auch Wallaces Freunde werden später eingeführt und sind fabelhaft.

Außerdem spielt Elizas Familie eine Rolle, denn sie lebt Zuhause mit ihren Eltern und ihren zwei jüngeren Brüdern. Und während in vielen Geschichten die Familienmitgliedern reine Staffage sind, tauchen sie hier regelmäßig auf und sind auch Bestandteil der Handlung. Hier gefiel mir insbesondere die Porträtierung ihrer Brüder.

Und sonst so

„Eliza and Her Monsters“ ist sicherlich nicht die Neuerfindung des Rades. Was letztendlich passiert, kann fast jeder annähernd vorhersehen. Aber was dieses Buch auszeichnet ist, wie behutsam und stimmig alles beschrieben ist.

Broken people don’t hide from their monsters. Broken people let themselves be eaten.

Zum Beispiel fand ich es prima, dass der für die Handlung so wichtige Comic „Monstrous Sea“ mit Zeichnungen und Hintergrundinfos in das Buch eingebaut wurde. Ich wollte den Comic wirklich gern lesen und ich fand die Sprüche so kultig, dass ich sie mir tatsächlich gemerkt habe.

Und direkt daran anknüpfend behandelt das Buch den sehr interessanten Aspekt der Beziehung zwischen Künstler und Fans: Wie viel schuldet Eliza ihren Fans?

Fazit

Francesca Zappia hat mit „Eliza and Her Monsters“ nicht unbedingt das originellste Buch geschrieben – aber dafür vielleicht eins der einfühlsamsten in die Lebenswelt junger Menschen, die sich stark in einem Fandom engagieren. Denn nur weil Beziehungen online gepflegt werden, sind sie nicht weniger real. Zudem spielen psychische Erkrankungen eine Rolle, überlagern aber nicht komplett die Figuren. Etwas, was nur in ganz wenigen Geschichten gelingt.

Empfehlung?

Ich empfehle dieses Buch Menschen, die Graphic Novels mögen. Menschen, die über Figuren mit, aber nicht nur, psychischen Problemen lesen wollen. Menschen, die mal in einem Fandom waren oder sind. Aber insbesondere jungen Menschen, für die das Internet wie für mich in meiner Jugend ein Zufluchtsort war.

In einem Satz

Ein Contemporary, welcher das „Online-Leben“ und das Fandom feiert, sich mit seelischer Gesundheit beschäftigt und nebenbei einen tollen Comic erzählt.

6 Kommentare

  1. Huhu und guten Morgen,

    das Buch steht schon seit einiger Zeit auf meiner Wunschliste, alleine wegen des Covers 😉 Ich habe vorletzte Woche gerade „Made you up“ von der gleichen Autorin gelesen und es hat mir sehr gut gefallen. Es ist ebenfalls einfühlsam und berührt, ohne irgendwie kitschig zu sein. Auch hier spielt eine psychische Erkrankung eine große Rolle: Schizophrenie.

    Danke für deine Rezension, ich denke Eliza ist gerade ein sehr heißer Kandidat für meine Weihnachtswunschliste geworden 😀

    Liebe Grüße
    Sas

    • Elena sagt

      Hallo Sas,

      ja, das Cover fällt auf jedem Fall auf 🙂 „Made you up“ steht mittlerweile auch auf meiner Wunschliste, das hat ja ebenfalls viele positive Rezensionen bekommen. Und ich plane die Tage quasi „den Comic im Comic“ aus Eliza zu lesen: „Children of Hypnos“. Gibt es kostenlos im Netz, allerdings nur als Text.

      Ich würde mich jedenfalls freuen, wenn du das Buch liest und wir uns dann darüber austauschen können.

      Liebe Grüße
      Elena

      • Na, dann wissen wir ja beide, was wir als nächstes kaufen müssen 😉 bzw. uns zu Weihnachten wünschen können 😀

        Wenn ich es irgendwann lesen sollte (es ist ja nicht so, als hätte ich nicht noch genug Bücher hier herum liegen), dann melde ich mich auf jeden Fall.

        Liebe Grüße
        Sas

  2. Also das Cover ist ja schnuggelig und schön wenn man über Geschichten stolpert die so eigentlich nicht ins Leseschema fallen und doch begeistern! Mich persönlich spricht es nur bedingt an, bezüglich psychischer Probleme lese ich dann doch andere Bücher.

    Liebe Grüße
    Janna

    • Elena sagt

      Mir gefiel an dem Buch ja grad so gut, dass es zwar Figuren mit psychischen Erkrankungen sind, aber dies nicht im Vordergrund steht. Das stört mich bei vielen Büchern, wo das oft im Vordergrund steht und es dann zu einer Wunderheilung kommt … Aber es gibt so oder so jede Menge lesenswerter Bücher, so dass sich sowieso nie alle lesen lassen 😊

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