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„The Girl With All The Gifts“ von M. R. Carey

Passend zum Deutschlandstart des Kinofilms zu „The Girls With All The Gifts“ möchte ich die Rezension zu dieser Zombie-Post-Apokalypse reposten. Leider habe ich bei meiner Recherche zum Film festgestellt, dass zumindest einige Kritiken fast alles vorwegnehmen und somit den Film seiner Spannung berauben. Auch für das Buch selbst gilt, dass es am besten ist, so wenig wie möglich zu wissen – daher meidet neben Filmkritiken auch den deutschen Klappentext, der viel zu viel verrät!

Mehr Informationen zum Buch
Autor: M. R. Carey
Titel: „The Girl With All The Gifts“
Deutscher Titel: „Die Berufene“
Seitenzahl: 460 Seiten
Verlag: Orbit
Veröffentlichungsdatum: 19. Juni 2014

Melanie is a very special girl. Dr. Caldwell calls her „our little genius.“

Every morning, Melanie waits in her cell to be collected for class. When they come for her, Sergeant Parks keeps his gun pointing at her while two of his people strap her into the wheelchair. She thinks they don’t like her. She jokes that she won’t bite, but they don’t laugh.

Melanie loves school. She loves learning about spelling and sums and the world outside the classroom and the children’s cells. She tells her favorite teacher all the things she’ll do when she grows up. Melanie doesn’t know why this makes Miss Justineau look sad.

Inhalt

In einer nicht allzu fernen Zukunft sind fast alle Menschen von einem tückischen Pilz befallen. Die sogenannten Hungrys machen Jagd auf die wenigen Überlebenden. In einer abgelegenen Militärbasis wird nach einem Heilmittel geforscht. Gibt es noch eine Chance, die Menschheit zu retten?

Von all dem ahnt Melanie nichts, wenn sie morgens in ihrer Zelle darauf wartet, für den Unterricht eingesammelt zu werden. Wenn sie kommen, richtet der Sergeant eine Pistole auf sie während zwei seiner Leute sie in einem Rollstuhl festschnallen. Sie denkt, dass sie sie nicht mögen. Sie scherzt, dass sie sie schon nicht fressen wird, aber sie lachen nicht. Erst nach und nach kommt Melanie der Wahrheit auf die Spur …

Meinung

Ich habe „The Girl With All The Gifts“ relativ „unvorbereitet“ gelesen und der Geschichte so die Chance gegeben, sich zu entwickeln. Ich möchte mit meiner Rezension der Handlung nicht groß vorgreifen und so konzentriere ich mich vor allem auf die Charaktere und die Gegenspieler.

Am Anfang wird aus Melanies Perspektive berichtet und es ist rührend, wie sie mit ihrer kindlichen Naivität nicht weiß und nicht wissen kann, dass mit ihrer Normalität vieles nicht stimmt. Jedoch wird sie nicht umsonst von Caldwell „unser kleines Genie“ genannt und bemerkt durchaus die ein oder andere Ungereimtheit, auch wenn sie sich diese zunächst nicht erklären kann. Bald kommen weitere Erzählperspektiven hinzu: Die von der Lehrerin Miss Helen Justineau, die nicht von ihrer Überzeugung abweichen will, dass die Kinder vor allem Kinder sind. Die von Dr. Caroline Caldwell, die mit kühler Entschlossenheit nach einem Heilmittel forscht und alles dafür geben würde. Die von Sergeant Eddie Parks, den erfahrenen Soldaten, der mit den wenigen verfügbaren Mitteln das Überleben zu sichern versucht. Und die von Private Kieran Gallagher, der aufgrund seines jungen Alters nur die Welt nach der Apokalypse kennt.

Diese sehr ungleichen Fünf bilden im Verlauf der Handlung ein sehr interessantes Team mit spannenden Dynamiken und faszinierenden Charakterentwicklungen. Mir gefiel es gut, dass jeder Charakter seine Eigenarten hat und niemand als ausschließlich gut oder böse dargestellt wird. Natürlich sind einem einige Personen sympathischer als andere, aber das Denken jeder Figur ist nachvollziehbar. Zudem ermöglichen die unterschiedlichen Denkweisen jeweils ganz andere Aspekte über die Hungrys und die anderen Charaktere in den Vordergrund zu stellen. Die meiste Zeit steht Melanie im Fokus der Erzählung, doch diese macht auch fraglos die größte Entwicklung von allen durch. So ist „The Girl With All The Gifts“ vor allem auch eine über Coming of Age.

Sehr gelungen fand ich zudem die Erklärung, wie die Menschen zu Hungrys werden: Durch einen Pilz. Erst spät in der Handlung gibt es die ausführliche Erklärung und so möchte ich diese nicht vorweg nehmen, aber ich fand sie sehr schlüssig. Überhaupt sind die Hungrys extrem interessant angelegt mit ihren Verhaltensschemas, so dass taktisches Vorgehen statt panische Flucht das Maß der Dinge ist. Spannend sind auch die Junkers, welche sich nicht dem Militär untergeordnet haben, sondern auf eigene Faust in der „freien Wildbahn“ zu überleben versuchen.

Die Handlung geht stetig voran und enthüllt immer wieder Neues. Mir gefiel gut, dass auf unnötige Streckungen der Geschichte verzichtet wurde. Vor allem das Ende trumpft noch einmal richtig auf und gibt der Geschichte einen würdigen Abschluss. Insgesamt fand ich das Buch eine wirklich hervorragende Zombie-Post-Apokalypse, die sich gar nicht so sehr auf den Survial-Horror konzentriert, sondern die dystopische Welt erkundet. Bonuspunkte gibt es auch für den Titel, der mich sehr neugierig gemacht hat und im Laufe der Handlung mit Inhalt gefühlt wurde.

Empfehlung?

Für mich ist „The Girl With All The Gifts“ vor allem deshalb ein gelungenes Buch, da es mit insbesondere mit Melanie eine tolle Erzählperspektive bietet und ich stark zum Nachdenken angeregt wurde. Außerdem gibt es eine schlüssige Auflösung, was ich bei Büchern dieses Genres sonst sehr häufig vermisse. Mit knapp zwei Jahren Abstand denke ich, dass die Charaktere relativ stereotyp sind. Doch das hat mich beim Lesen überhaupt nicht gestört. Es ist ein Buch, das in Erinnerung bleibt und das ich gern mal rereaden möchte – etwas, was auf wenige Bücher zutrifft.

In einem Satz

„The Girl With All The Gifts“ ist eine originelle Zombie-Post-Apokalypse, welche mit toller Charakterentwicklung und einen außergewöhnlichen Schluss überzeugt.

Diese Rezension wurde das erste Mal am 11. März 2015 veröffentlicht, der Beitrag ist eine für diesen Blog überarbeitete Fassung.

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