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„The Handmaid’s Tale“ von Margaret Atwood

Nachdem „The Handmaid’s Tale“ eine eigene Fernsehserie bekommen und Margaret Atwood im diesem Jahr den Friedenspreis des deutschen Buchhandels erhalten hat, ist dieser Klassiker von ihr wieder in aller Munde. Ich habe das Buch gelesen und kann vorab verraten: Obwohl „The Handmaid’s Tale“ 1985 erstmals veröffentlicht wurde, ist die Geschichte aktueller denn je.

Mehr Informationen zum Buch
Autorin: Margaret Atwood
Originaltitel: „The Handmaid’s Tale“
Seitenzahl: 324 Seiten
Verlag: Vintage Classics
Erst-Veröffentlichungsdatum: 1985

In deutscher Übersetzung erschienen als „Der Report der Magd„.

Offred is a Handmaid in the Republic of Gilead. She has only one function: to breed. If she deviates, she will, like dissenters, be hanged at the wall or sent out to die slowly of radiation sickness. But even a repressive state cannot obliterate desire – neither Offred’s nor that of the two men on which her future hangs.

Inhalt

Offred ist eine Magd in der Republik von Gilead. Sie hat nur eine einzige Aufgabe: zu gebären. Wenn ihr das nicht gelingt, wird sie wie Dissidenten an der Mauer aufgehängt oder in die Kolonien geschickt, um langsam an der Strahlenkrankheit zu sterben. Aber auch ein repressiver Staat kann nicht die Leidenschaft auslöschen – weder die von Offred noch die der zwei Männern, an denen ihre Zukunft hängt.

Nach und nach offenbart der Report der Magd, wie die Lebensumstände in Gilead sind und was im Vorfeld der Gründung der Republik geschah. Wird Offred es gelingen, ihr Überleben in diesem totalitären Regime zu sichern?

Meinung

Nachdem ich vor einigen Jahren reihenweise Dystopien verschlungen hatte, war ich mit dem Genre eigentlich durch. Die immer gleichen Schemata hatten mich ermüdet und gelangweilt. Doch ausgerechnet ein Buch, dass schon über dreißig Jahre alt ist, hat mir gezeigt: Dystopie geht auch erfrischend anders!

Erzählerin Offred ist kein unbedarftes Mädchen, dass seine erste Liebe erlebt, sondern eine gestandene Frau. Auch wenn sie im neuen repressiven Regime nicht glücklich ist, hat sie keine rebellischen Neigungen. Stattdessen ist sie darauf bedacht, möglichst keinen Fehler zu machen. Schließlich könnte jeder und jede Offred verraten, wenn sie Zweifel am System äußert. Das macht dieses Buch sehr eindrücklich, denn hier ist die ständige Überwachung immer zu spüren und keine bloße Behauptung.

Offred hat zudem die Welt noch vor der Revolution kennengelernt, so dass wir nach und nach die Vorgeschichte erfahren, wie es zum Umsturz kam. Das ist äußerst beklemmend, denn die Maßnahmen im Vorfeld wären auch heutzutage nur allzu leicht durchführbar. Wenn dann die Furcht vor Islamisten zur Freiheitsbeschränkung herhalten muss, fühle zumindest ich mich nur allzu sehr an die Gegenwart erinnert.

Was mir auch gut gefiel: Es wurde ein wirklich neues Gesellschaftssystem eingeführt. Das zeigt sich schon an den Namen: Offred zeigt, dass sie zu einen Mann gehört, der Fred heißt. Wenn eine Handmaid den Haushalt wechselt, ändert sich auch ihr Name. Das ist Objektifizierung! Jede Person in einem Haushalt hat festgelegte Pflichten und kann aus dem Korsett ihrer Rolle nicht ausbrechen. Und selbst der Herr im Haus ist Ritualen unterworfen, die er befolgen muss.

Manche sehen die Geschichte als Kritik an Religion, aber Margaret Atwood im Interview mit Emma Watson sagt, dass Religion sowohl zur Unterdrückung als auch zum Widerstand gegen Unterdrückung genutzt werden kann – ganz wie im Buch.

Das Ende empfand ich als interessant, da es der ganzen Angelegenheit noch eine weitere Ebene verleiht, aber für mich hätte die Geschichte auch ohne diesen Schluss funktioniert.

Zusammengefasst birgt das Buch für mich jede Menge Gedankenfutter und Anknüpfungspunkte an die Gegenwart. Das ist einerseits beängstigend, anderseits lädt es aber auch zur Reflektion ein.

Empfehlung?

Aus meiner Sicht eine sehr gelungene Dystopie mit erwachsenen Protagonisten, die auch entsprechend handeln. Die Welt ist durchdacht und trotz ihrer Schrecken sehr nachvollziehbar. Dass die Geschichte sprachlich nicht ganz einfach ist und etwas Anlauf braucht, sollte nicht vom Lesen abhalten. Für mich ein sehr lesenswerter Klassiker, da er heutige Bezüge hat und wirklich zum Nachdenken anregt.

Rezensionen von anderen Bloggern:

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Muh, das Telefonbuch
Nana what else

In einem Satz

Eine erwachsene Dystopie mit topaktuellen Bezügen trotz Klassikerstatus!

12 Kommentare

  1. Hallo Sandra,

    gerade im Urlaub habe ich mit einer Frau aus England über das Buch gesprochen. Ich selbst habe es noch nicht gelesen, aber ich denke mal, dass ich es mir zu Weihnachten schenken lassen werde.

    Du hast es auf Englisch gelesen? Sollte ich das auch machen? Ich bin recht gut darin, wenn auch nicht ganz so regelmäßig, wie ich mir wünschen würde.

    Ganz liebe Grüße aus Tirol
    Marie

    • Hallo Marie,

      wenn du dich mit einer Frau aus England darüber unterhalten hast, dann vermutlich auf Englisch? 🙂 Dann wird dein Englisch doch ganz ordentlich sein!

      Ich lese jetzt seit sieben Jahren sehr regelmäßig auf Englisch und bin gut damit klar gekommen, auch wenn ich nicht alle Feinheiten durchschaut habe. Allerdings ist es inhaltlich und von der Erzählweise her schon ziemlich komplex. Obendrauf kommt dann die differenzierte Sprache, die mehr und ungewohntere Vokabeln als der typische YA-Roman nutzt, da empfiehlt es sich, schon recht sattelfelt im Englischen zu sein.

      Vielleicht einfach mal in das erste Kapitel reinlesen und schauen, wie das klappt? 🙂

      Liebe Grüße
      Elena

  2. Liebe Elena,
    Schön, dass ich deinen Blog entdeckt habe. Es gefällt mir hier richtig gut und ich werde gleich noch weiter stöbern.
    Das Buch habe ich auch gelesen und ich kann dir zustimmen. Mir hat es auch richtig gut gefallen. Ich lese sonst eigentlich nicht so oft Dystopien, aber diese hier hat mich gefesselt. Sie ist aktuell und erschreckend realistisch. Die Beschreibungen, wie es zum Umsturz des alten Systems kam, hat mich besonders erschüttert. Die Vorstellung, das die Rechte der Frauen, für die so viele so lange gekämpft haben, so plötzlich und schnell wieder revidiert werden, ist wirklich gruselig.
    Ganz liebe Grüße, Julia

    • Elena sagt

      Hallo Julia,

      herzlich willkommen im Blog und vielen lieben Dank für deine Worte! 🙂

      Ich habe früher viele Dystopien gelesen, aber so richtig gut fand ich die wenigsten. Denn selten waren die so eindrücklich wie „A Handmaid’s Tale“. Du hast ja noch einmal prima zusammengefasst, was das Buch so auszeichnet. Schade, dass Dystopien nicht immer so gut sind.

      Liebe Grüße
      Elena

  3. Hi Elena,

    ich bin gerade sehr glücklich darüber, dass ich deinen Blog über das Litnetzwerk entdeckt habe, du scheinst einen ähnlichen Buch- und Seriengeschmack zu haben wie ich (viel britische Popkultur, haha).
    Schöne Rezension zu The Handmaid’s Tale! Ich fand es auch sehr erfrischend, dass die Heldin kein naives Mädel von 17 Jahren ist, sondern eine erwachsene Frau. Dadurch entstand auch der interessante Twist, dass sie sich an die Welt vor der Dystopie noch erinnern kann – das ist ja bei heutigen Romanen aus dem Genre nicht der Fall. Das macht alles noch viel dramatischer, finde ich – und zeigt aber auch: Auch vor der Katastrophe und der neuen Weltordnung war nicht alles geil. So findet weniger Schwarz-Weiß-Malerei statt.
    Ich habe The Handmaid’s Tale vor ein paar Wochen beendet und war so verstört, dass ich keine Rezension darüber schreiben wollte. Es hat mich wirklich zu sehr mitgenommen. Nicht mal so sehr dieser gruselige „Ritual-Sex“ oder die traurigen Erinnerungen an Offreds früheres Leben, sondern mehr ihre absolute Isolation und die Eintönigkeit ihres Lebens.

    Mach weiter so mit deinem Blog!
    LG, Sabine

    • Elena sagt

      Hallo Sabine,

      zunächst einmal herzlich willkommen auf dem Blog. Ich freue mich, dass du dich freust. Vor allem, wo ich mir mit meinem Geschmack doch manchmal etwas alleine vorkomme.

      Vielen Dank auch für das Lob zur Rezension. Ja, „The Handmaid’s Tale“ war auf jedem Fall eine tolle Abwechslung zu den leider sehr eindimensionalen dystopischen Romanen der heutigen Zeit. Aber dafür ist es auch überhaupt keine leichte Kost, die Geschichte liegt sozusagen schwer im Magen. Vielleicht kannst du mit etwas mehr zeitlichen Abstand doch noch eine Rezension schreiben 🙂

      Vielen Dank für deine Ermutigung!

      LG Elena

    • Elena sagt

      Wow, ich habe das Buch bei ganz schön vielen Leuten auf die Wunschliste gebracht oder weiter nach oben gerückt. Dann hoffe ich mal, dass es dir gefällt 🙂

      Wenn du das liest, ist wahrscheinlich ein guter Start in den Tag angebracht.

  4. Das Buch steht seit einiger Zeit ganz weit oben auf der Wunschliste und es muss wirklich gut sein, wenn es dich sogar aus deiner Dystopie Abstinenz holen konnte.
    Klingt teilweise auch sehr nach 1984, welches ich erst letzten Monat gelesen habe und mich unglaublich beeindrucken konnte.

    Liebste Grüße und einen schönen Abend,
    Nadine

    • Elena sagt

      Hallo Nadine,

      ja, das ist wirklich ein ganz besonderes Buch, dass ich (fast) jeden nur empfehlen kann. „1984“ muss ich auch unbedingt mal lesen! Vielleicht kannst du es ja rezensieren, damit das eher früher als später passiert 😉

      Liebe Grüße und guten Start in den Tag
      Elena

  5. Will ich auch unbedingt lesen! War das auf Englisch gut zu verstehen? Überlege nämlich welche Sprache ich lesen soll.

    • Elena sagt

      Es ist ein tolles Buch, welches sich auf jedem Fall lohnt 🙂

      Ich bin gut damit auf Englisch zurecht gekommen, auch wenn ich nicht alle Feinheiten durchschaut habe. Allerdings ist es inhaltlich und von der Erzählweise her schon ziemlich komplex. Obendrauf kommt dann die differenzierte Sprache, die mehr und ungewohntere Vokabeln als der typische YA-Roman nutzt, da empfiehlt es sich, schon recht sattelfelt im Englischen zu sein. Ich lese seit sieben Jahren sehr regelmäßig in dieser Fremdsprache, zunehmend schwierigere Bücher.

      Vielleicht einfach mal in das erste Kapitel reinlesen und schauen, wie das klappt? 🙂

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