Unterwegs
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Schottland: Orkneyinseln

Schottland bietet viele große und kleine Inseln, zu den bekanntesten Inselgruppen gehört fraglos Orkney. Das Archipel besteht aus 70 kleinen Inseln und der Hauptinsel Mainland. In Form eines Tagesausflug habe ich Orkney mit Schiff und Bus erkundet. Welche Highlights mich dort erwartet haben, erfahrt Ihr in diesem Bericht!

Ein Tagesausflug nach Orkney

Am frühen Morgen machte ich mich auf dem Weg von Thurso nach John O’Groats, wo ich im Vorfeld die Maxi Day Tour bei John O’Groats Ferries gebucht hatte. Dort angekommen tauschte ich im Büro meinen Voucher um und dann hieß es Warten auf die Fähre. Um kurz vor Neun Uhr stachen wir mit dem hochseetauglichen Schiff in See und die etwa vierzigminütige Überfahrt begann. 

Angekommen in Burwick warteten schon die Busse mit den Fahrern auf uns, die gleichzeitig unsere Reiseführer für den Tag sein würden. Von der Insel South Ronaldsay über Burray ging es nach East Mainland. Hier machten wir Station in Kirkwall, dies ist der Hauptort der Orkneyinseln mit etwa 7.000 Einwohnern.

St. Magnus Cathedral

In Kirkwall steht die St.-Magnus-Kathedrale, auch bekannt als „Das Licht des Nordens“. Der namensgebende Heilige Magnus hat durch seine pazifistische Einstellung definitiv ein interessantes Leben.

Weil es hier im Zuge der Reformation keinen Bildersturm gab, sind auch noch Kunstgegenstände aus der Zeit davor erhalten. Das hat einerseits zur Folge, dass noch sehr interessante bildliche Darstellungen vorhanden sind, aber anderseits auch, dass die ganze Kathedrale etwas vollgestellt ist. Einen Blick sind auf jedem Fall auch die bunten Glasfenster wert.

St. Magnus Cathedrahl

Bishop’s Palace und Earl’s Palace

In unmittelbarer Nähe stehen sich der Bishop’s Palace und der Earl’s Palace gegenüber. Der Bishop’s Palace wurde zeitgleich mit der Kathedrale im 12. Jahrhundert errichtet. Im 16. Jahrhundert wechselte die Ruine in den Besitz der ersten Earls von Orkney, Robert Steward, und später in den Besitz von Patrick Steward, der zweite Earl von Orkney.

Dieser errichtete den oben zu sehende Earl’s Palace im 17. Jahrhundert. Das Problem, dass ihm das Land nicht gehörte, löste er mit falschen Anschuldigungen und anschließender Hinrichtung des vormaligen Besitzers. Es verwundert wenig, dass er als einer der tyrannischsten Edelmänner Schottlands in die Geschichte einging, denn sein finanzielles Missmanagement und seine Unterdrückung der lokalen Bevölkerung führte dazu, dass er vor dem Kronrat zitiert und inhaftiert wurde.

Daraufhin stachelte er seinen illegitimen Sohn Robert Stewart dazu an, auf Orkney eine Rebellion zu starten. Nach anfänglichen Erfolgen scheiterte diese jedoch. Und so kam es, dass fortan der Bischof von Orkney den Earl’s Palace als Residenz nutzen konnte.

Bishop’s and Earl’s Palace

Danach ging es nach Stromness, wo ich einen kurzen Bummel durch die Innenstadt unternahm, wobei leider nur wenige Geschäfte geöffnet hatten. Anschließend kehrte ich dann in ein Gasthaus zu Mittag ein. Meiner Meinung nach lohnt es sich nicht wegen diesem Ort die längere Tagestour zu buchen, auch wenn der Ortskern mit seinen Lädchen sehr pittoresk ist. Da hätte ich lieber länger geschlafen.

Skara Brae

Der nächste Halt war Skara Brae, welches älter ist als Stonehenge oder auch die alten Pyramiden. Als Folge eines Wintersturms im Jahr 1850, der zweihundert Menschen das Leben kostete, wurde jede Menge Sand abgetragen und der Umriss der jungsteinzeitlichen Siedlung freigelegt. William Graham Watt of Skaill, der dortige Laird, begann dann mit amateuerhaften Ausgrabungen.

Es gibt eine kleine Ausstellung, die einen diese und andere wissenswerte Details verrät. Die Betonung liegt auf klein, mehr als ein gutes Dutzend Menschen passen da nicht gleichzeitig hinein. Dennoch fand ich sie sehr schön und modern gemacht.

Außerdem befindet sich draußen ein komplett nachgebautes Steinzeithaus, so dass ich mich als Steinzeitbewohnerin fühlen konnte. Für damalige Zeiten war das bestimmt eine sehr geräumige und behaglich eingerichtete Wohnung!

Skara Brae wird aus meiner Sicht auch nur mithilfe des in der Ausstellung neuerworbenen Wissens wirklich interessant. Es gibt zwar paar Hinweisschilder, aber da die meiste Zeit von oben herunter in die Häuser reingeschaut wird, fehlte es zumindest mir doch etwas an Flair. Dennoch lohnt sich natürlich der Besuch dieses Weltkulturerbestätte.

Skara Brae

Skaill’s House

Auch das in unmittelbarer Nähe stehende Skaill House, welches im Eintrittspreis für Skara Brae enthalten ist, besichtigte ich anschließend. Und merkte einmal mehr, dass in der Geschichte alles mit allem zusammenhängt.

Nachdem Patrick Steward, der zweite Earl von Orkney, wegen Hochverrats hingerichtet worden war,  ging das Land an George Graham, den Bischof von Orkney. Dieser errichtete ein einfaches Herrenhaus, welches heute Teil des Gebäudes ist. Sein Sohn erbte das Gebäude neben dem Land und wurde erster Laird of Breckness. Ein Nachfahre von ihm, der siebte Laird, war William Graham Watt – der Entdecker von Skara Brae!

Mir hat das Gebäude gut gefallen, da ein Gutsherr natürlich nicht so einen pompösen Lebensstil wie die höherrangigen Adeligen führte und dementsprechend Gebäude und Einrichtung verhältnismäßig schlicht war.

Skaill House

Ring of Brodgar

Spätestens beim Ring of Brodgar wurde aber sehr deutlich, dass es ungünstig ist, mehrere Busladungen Menschen gleichzeitig an einer Sehenswürdigkeit abzuliefern. Komplettiert wurde dieser Eindruck dadurch, dass die normalen Wege gesperrt waren, damit dort das Gras eine Chance hatte nachzuwachsen. Jedenfalls sind auf allen meinen Bildern mehr Menschen als Steine zu sehen. Ich bin sicher, dass der Ring of Brodgar seinen Charme hat, wenn es leerer ist.

An den Standing Stones of Stenness sind wir ohne Halt vorbeigefahren, aber nach den vorhergegangenen Erlebnis war ich da auch gar nicht traurig drum.

Italienische Kapelle

Dann gab es noch einmal einen kurzen Halt in Kirkwall bevor wir uns zu meinem Highlight des Tages aufmachten: Die italienische Kapelle. Diese wurde von italienischen Gefangenen des zweiten Weltkriegs errichtet. Es ist kaum zu glauben, dass der Innenraum lediglich aus bemalten Beton besteht. Oder hättet Ihr es erkannt?

Italian Chapel

Churchill Barriers

Um die italienische Kapelle zu erreichen und zu verlassen nutzten wir die ebenfalls von italienischen Kriegsgefangenen errichteten Churchill Barriers. Nachdem 1939 in Scapa Flow ein britisches Kriegsschiff von einem deutschen U-Boot versenkt worden war, wollte Churchill dies für die Zukunft verhindern und ließ insgesamt vier Dämme errichten. Da nach den Genfer Konventionen Kriegsgefangene nicht für militärische Zwecke eingesetzt werden dürfen, wurde das Ganze als Infrastrukturprojekt deklariert. Die Deiche wurden zum Kriegsende fertig gestellt.

Mit der letzten Fähre des Tages ging es dann zurück auf das Festland, wo bereits die Dämmerung einsetzte. Für mich als Solo-Reisende hat sich der Tagesausflug definitiv gelohnt, auch wenn ich die 62 Pfund nur für Bus und Fähre nicht als Schnäppchen empfand. Ab drei Personen würde ich dann doch definitiv zum eigenen Auto tendieren, um so der Überfüllung an den einzelnen Sehenswürdigkeiten zu entgehen und das Tempo selbst wählen zu können.

Welche Sehenswürdigkeit von Orkney würdet Ihr am Liebsten jetzt besichtigen?

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4 Kommentare

  1. Ich muss gestehen, dass mich die Sehenswürdigkeiten weniger reizen als der Gedanken mal länger auf der Insel zu bleiben und diese wunderbare Natur zu einem Zeitpunkt genießen zu können, wenn der Großteil der Touristen mit der letzten Fähre wieder fortgefahren ist. 😉

    • Elena sagt

      Mich persönlich hat die Landschaft von Orkney im Vergleich zu anderen gar nicht mal so besonders angesprochen, aber die Westküste ist auch einfach eine harte Konkurrenz. Und zu einen längeren Urlaub dort würde ich dennoch nicht Nein sagen *g*

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