Rezensionen

„Red Rising“ von Pierce Brown

Es gibt wenige Trilogien, wo mich der erste Teil total begeistert hat und die Reihe von Band zu Band immer noch besser wurde – „Red Rising“ von Pierce Brown ist eine dieser seltenen Ausnahmen. Die Serie hat viele Fans und so wurde Pierce Brown mit „Red Rising“ im Jahr 2014 Debut Goodreads Author, die folgenden Bände „Golden Son“ und „Morning Star“ wurden 2015 bzw. 2016 jeweils in der Kategorie Science Fiction auf dem ersten Platz gewählt. Dementsprechend bin ich sehr begeistert, dass es eine zweite Trilogie in diesem Universum geben soll, auch wenn „Iron Gold“ vor wenigen Tagen auf den Januar 2018 verschoben wurde. Vielleicht sollte ich die Wartezeit nutzen, um diese Trilogie zu reraden?

Mehr Informationen zum Buch

Autor: Pierce Brown
Originaltitel: „Red Rising“
Reihe: „Red Rising“ #1
Seitenzahl: 382 Seiten
Verlag: Del Rey
Veröffentlichungsdatum: 28. Januar 2014

 

Gibt es auch in deutscher Übersetzung.
Deutscher Titel: „Red Rising“
Übersetzerin: Bernhard Kempen
Seitenzahl: 576 Seiten
Verlag: Heyne Verlang
Veröffentlichungsdatum: 14. September 2015

 

“I live for the dream that my children will be born free,” she says. “That they will be what they like. That they will own the land their father gave them.”

“I live for you,” I say sadly.

Eo kisses my cheek. “Then you must live for more.”

Darrow is a Red, a member of the lowest caste in the color-coded society of the future. Like his fellow Reds, he works all day, believing that he and his people are making the surface of Mars livable for future generations. Yet he spends his life willingly, knowing that his blood and sweat will one day result in a better world for his children.

But Darrow and his kind have been betrayed. Soon he discovers that humanity reached the surface generations ago. Vast cities and lush wilds spread across the planet. Darrow – and Reds like him – are nothing more than slaves to a decadent ruling class.

Inspired by a longing for justice, and driven by the memory of lost love, Darrow sacrifices everything to infiltrate the legendary Institute, a proving ground for the dominant Gold caste, where the next generation of humanity’s overlords struggle for power.  He will be forced to compete for his life and the very future of civilization against the best and most brutal of Society’s ruling class. There, he will stop at nothing to bring down his enemies . . . even if it means he has to become one of them to do so.

Inhalt

Darrow ist ein Roter und somit ein Mitglied der niedrigsten Klasse in einer in Farben aufgeteilten Gesellschaft der Zukunft. Wie seine roten Kameraden arbeitet er den ganzen Tag in dem Glauben, dass er und seine Leute die Oberfläche des Mars für zukünftige Generationen bewohnbar machen. In dem Wissen, dass sein Blut und Schweiß eines Tages eine bessere Welt für seine Kinder schaffen wird, verbringt Darrow sein Leben freiwillig so. Aber Darrow und die seinen wurden betrogen: Die Menschheit hat die Oberfläche vor Generationen erreicht, längst gibt es überall auf dem Planeten riesige Städte. Die Roten sind nicht mehr als Sklaven für die dekadente herrschende Klasse.

Nachdem Darrows Welt zusammengebrochen ist, bietet ihn eine geheimnisvolle Bruderschaft die Chance auf Rache. Getrieben vom Verlangen nach Gerechtigkeit und der Erinnerung an seine verlorene Liebe opfert Darrow alles, um das legendäre Institut infiltrieren zu können: Die Bewährungsprobe für die dominante Gold-Kaste, in der die nächste Generation der menschlichen Oberherren um Macht kämpft. Er wird gezwungen, in einem Wettbewerb um sein Leben und die Zukunft der Zivilisation zu kämpfen, gegen die besten und brutalsten der herrschenden Klasse. Er wird vor nichts Halt machen, um seine Feinde zu stürzen … selbst wenn dies bedeutet, dass er einer von ihnen werden muss.

Meinung

“A story of vengeance, warfare and the quest for power . . . reminiscent of The Hunger Games and Game of Thrones.”—Kirkus Reviews

„Red Rising“ braucht den Vergleich nicht zu scheuen, für mich war es wirklich eine hervorragende Mischung aus „Hunger Games“ und „Game of Thrones“. Insbesondere zu Letzteres besteht Ähnlichkeit: Nicht nur was die Intrigen angeht und die Anzahl der vorkommenden Personen, es gibt zudem sehr viel Gewalt und der Tod schreckt auch vor lieb gewonnenen Figuren nicht zurück, zudem ist die Sprache derb. Damit sollte allerdings auch klar sein, dass dieses Buch absolut nicht für Kinder und zart besaitete Gemüter geeignet ist. Was mir zudem besonders gut gefiel: Es gibt hier keine gewöhnliche Rebellion, sondern es geht um sorgsam geplante Rache in einer Welt, in der Macht das Einzige von Bedeutung ist und Krieg dafür billigend im Kauf genommen wird.

Überhaupt hat mich diese Welt sehr beeindruckt: Pierce Brown zeigt den Mut, mehrere hundert Jahre in die Zukunft zu gehen und das ganze Sonnensystem in seiner Dystopie zu besiedeln. Die nach Farben geordnete Gesellschaft ist unmenschlich und doch logisch. Es ist erschreckend und konsequent, wie weit beim enhancement der Menschen gegangen wurde. Die Nutzung von Latein bei den Namen hätte auch daneben gehen können, aber für mich passte es hervorragend zu dieser Kultur, die sich auf die Antike beruft. Nicht zuletzt präsentiert er eine Geschichte der Gesellschaft, die im Laufe der Zeit immer vielschichtiger wird.

Im Mittelpunkt der Handlung steht Ich-Erzähler Darrow, der zu Beginn der niedrigsten Kaste angehört und von den Goldenen dermaßen getäuscht wurde, dass er über seine Welt kaum mehr weiß als der Leser. Darrow ist nicht vom Anfang an ein Rebell, ganz im Gegenteil. Diese Ausgangsposition gibt Pierce Brown interessante erzählerische Möglichkeiten, was die Entwicklung seines Helden und die Entdeckung der Welt angeht. Darrow beweist sich im Laufe der Handlung als guter Stratege und geschickter Taktiker. Aber er erlebt dennoch immer wieder Rückschläge, wo er seine Lage überdenken muss, so dass ihm der Erfolg trotz seines Naturtalentes nicht zufliegt. Ich habe mich in seiner Gedankenwelt sehr wohl gefühlt und obwohl er der Erzähler ist, waren seine Handlungen durch geschickte Auslassungen oft genug überraschend, aber nicht unlogisch. Auch die anderen Charaktere haben mir sehr gut gefallen, da Pierce Brown auf einseitig gute oder böse Darstellungen verzichtet hat und stattdessen mehr oder weniger sympathische Charaktere mit ambivalenten Motiven gezeichnet hat. Viele wuchsen mir sehr ans Herz und ihr Verlust schmerzte, denn Pierce Brown braucht nicht viel Zeit, um einem Figuren nahe zu bringen. Selten hat mich der Tod einer Figur in den ersten Kapiteln so berührt wie hier.

“I live for you,” I say sadly.

Eo kisses my cheek. “Then you must live for more.”

Positiv überrascht hat mich auch immer wieder, dass sich abzeichnende Entwicklungen meist unmittelbar darauf eintraten und oft genug einen unerwarteten Ausgang nahmen. Statt mehrere Kapitel auf ein Ereignis hinzuarbeiten, ereignet sich vieles in rascher Folge. Dementsprechend gibt es aus meiner Sicht auch kaum Längen in der Geschichte. Möglicherweise gefällt nicht jeden der recht lange und nicht ganz so zielstrebige Teil im Institut. Mir gefiel dieser jedoch größtenteils und ich sehe ihn auch als wichtig für das Reifen von Darrow an. Ich muss zugeben, dass mich die Entwicklungen zum Ende hin kalt erwischten, aber Darrows Handeln passte durchaus zu seinen Charakter.

Zum Schluss ist zwar ein Etappenziel erreicht, aber Darrows Weg noch lange nicht zu Ende. Ich bin gespannt darauf, Darrow auf seinem Weg nach oben und beim Verändern seiner Welt zu begleiten. Um die Gesellschaftsordnung zu stürzen kann es nicht damit getan sein, „mal eben“ eine Revolution anzuzetteln und die Oberbösewichte zu töten. Und das macht diese Trilogie besonders spannend. Weshalb ich mir noch vor Lesen des Endes den zweiten Teil bestellt habe …

Empfehlung?

Für mich war „Red Rising“ nicht nur eins der besten Bücher, die ich 2015 gelesen habe, sondern jemals. Besonders hervorragend an der Serie finde ich, dass sie sich trotz eines starken ersten Bandes mit den folgenden Bänden sehr erfolgreich weiter steigert. Dementsprechend würde ich es jedem ans Herz legen, der sich für die Genres Science Fiction und Dystopie interessiert, vielleicht auch Fantasy.

In einem Satz

Hunger Games meets Game of Thrones – eine mitreißende Science Fiction voller mörderisches Intrigen und überraschender Wendungen, die mit einem rauen Helden aufwartet und in der die Grenzen zwischen Gut und Böse verschwimmen.

Diese Rezension wurde das erste Mal am 4. April 2015 veröffentlicht, der Beitrag ist eine für diesen Blog überarbeitete Fassung.

2 Kommentare

  1. Huhu Elena,

    deine Rezension hat mir den Mund wässrig gemacht. Und das sollte sie ja wohl auch 😀 Also: Erfolg auf ganzer Linie. Die beschriebene Handlung klingt wirklich faszinierend und fesselnd und scheint genau meinen Geschmack zu treffen. Daher wandert Red Rising ganz oben auf meine Wunschliste. Eine Frage nur: Hast du die Rezension reblogged, oder warum steht am Ende 2015? Und falls du es nicht reblogged hast: Wie kannst du dich an alles so genau erinnern?! 😀

    Liebste Grüßlies und ein buchreiches Wochenende wünscht
    Nina

    • Elena sagt

      Hallo Nina,

      yeah, dann konnte ich meine Begeisterung ja rüberbringen! Ich bin wirklich sehr neugierig, wie es dir gefallen wird. Aber im Gegensatz zu vielen anderen Büchern gibt es hier ziemlich wenig Leser, denen es so gar nicht gefallen hat.

      Ich sollte wohl einen standardmäßigen Hinweis in solche rebloggten Beiträge aufnehmen. Dass ich freitags immer einen alten Beitrag nach Überarbeitung übernehme, ist sonst in der Tat etwas schwierig zu erkennen. Und nein, so gut ist mein Gedächtnis nicht *g* Habe nur manchmal fast fertig ausgearbeitete Rezensionen Monate später vervollständig und das könnte auch in Zukunft vorkommen.

      Liebe Grüße und frohes Lesen
      Elena

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