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#ichgehwählenchallenge2017 #2

Da die ersten fünf Antworten #ichgehwählenchallenge2017 sehr gut geklickt wurden und es auch Kommentare gab, habe ich mich entschieden, auch die letzten fünf Fragen ausführlich im Blog zu beantworten. Am Ende gibt es noch ein paar abschließende Worte und Links zu Bloggern, die sich auch mit dem Thema Wahlen beschäftigt haben.

Zum Hintergrund: Die #ichgehwählenchallenge2017 wurde von kea_schreibt auf Instagram ins Leben gerufen, hier findet Ihr den Ankündigungsbeitrag. Sie fand vom 1. September bis zum 10. September auch auf Facebook und Twitter statt. Bei Frau macht Politik gibt es ein Interview mit Kea zur #ichgehwählenchallenge2017.

6. Ich bin politisch engagiert, weil … jede Person gemeinsam mit anderen etwas bewegen kann!

In 140 Zeichen hat die Geschichte nicht gepasst, aber hier habe ich ja Platz. Ich wollte mich im Laufe meines Lebens immer mal wieder politisch engagieren, einmal lag ein Mitgliedsantrag auch schon ausgefüllt auf dem Schreibtisch. Als vor einigen Jahren mein Cousin trotz seines jungen Alters systematisch die verschiedenen Parteien vor Ort besuchte und schließlich eine zu ihm passende Partei fand, war es eine, der ich schon lange ideologisch nahestand. Als er mir erzählte, dass er zum Sprecher der örtlichen Jugendorganisation der Partei gewählt werden sollte, trat ich schnell ein, um ihn zu wählen. Er wurde dann tatsächlich Sprecher – und ich hatte nach dieser Versammlung auch mein erstes Amt, weil jemand kurzfristig ausgefallen war und ich dann unmittelbar vorher gebeten wurde, für dieses Amt zu kandidieren. So kann es gehen.

Ich finde es sehr interessant, die Parteiarbeit auf allen Ebenen zu verfolgen. Zum einen bekomme ich so viel stärker mehr, was einigen Menschen vor Ort unter den Nägeln brennt – bei manchen Sachen kann ich mir nur noch an den Kopf fassen, während ich für andere Angelegenheiten vollstes Verständnis habe. Und zum anderen, dass auch parteiintern nicht immer alles Friede, Freude, Eierkuchen ist, gemeinsam aber auch eine Menge erreicht werden kann. Zusammen mit besagten Cousin und anderen habe ich einige Aktionen mit mehr oder weniger großen Erfolg durchgeführt.

Jedenfalls kann ich nur sagen, dass es sehr viele Formen für politisches Engagement gibt, auch abseits der Parteienpolitik. Durch meinen Einblick weiß ich zudem mittlerweile, dass eine Handvoll Bürger durchaus Entscheidungen durchsetzen können, die der Rat dann nur noch abnickt – und das in einer großen kreisangehörigen Stadt! Das kann jeder nun gut oder schlecht finden, beweist aber definitiv, dass Bürger Dinge bewegen können.

7. Hier tausche ich mich über Politik aus

Zunächst einmal viel innerhalb meiner Familie über alle politischen Themen. Dann aber auch in der Jugendorganisation und Ortsverein „meiner Partei“, wobei es vor allem um Lokalpolitik geht. Last but not least diskutiere ich auch auf den Seminaren meines Begabtenförderungswerkes über Politik, wobei es da dann eher abstrakter zugeht.

Ansonsten verfolge ich einige Nachrichtenseiten im Netz sehr regelmäßig und lese schon fast von Kindesbeinen an die lokale Tageszeitung. Zudem habe ich auf Facebook einige englischprachige Nachrichtenorganisationen gelikt. Es ist immer wieder faszinierend zu sehen, wie unterschiedlich die Schwerpunkte gesetzt werden und auch wie weit die Beurteilung bestimmter Ereignisse manchmal auseinander liegt. Wenn ich dann die Kommentarbereiche aufmache, bin ich mir nicht immer sicher, ob wir alle im selben Universum leben.

8. Meine Gedanken über hatespeech: Nicht in Ordnung, egal über wen oder was!

Ich gebe zu, manchmal juckt es mir auch in den Fingern. Wenn ich misogyne Einstellungen und Verhaltensweisen lese oder von fremdenfeindlichen Denkweisen, dann möchte ich diesen Menschen einen Schluck von ihrer eigenen Medizin geben. Aber ist dadurch irgendetwas gewonnen? Das Gegenüber freut sich meistens nur, dass jemand sich auf sein Niveau heruntergelassen hat und kennt sich auf dem Terrain meistens wesentlich besser aus. Daher plädiere ich klar dafür, solches Verhalten deutlich zu benennen, aber nicht mit gleichen Münze zu heimzuzahlen.

Ansonsten habe ich mir aus meiner Kriminologie-Vorlesung die tröstliche Erkenntnis mitgenommen: Die Menschen sind nicht fremdenfeindlicher geworden, sondern die wenigen Prozent trauen sich nun, sich lauter zu äußern. Und wir sollten Fremdenfeindlichkeit weniger als ein einzelnes Merkmal sehen, es ist eingebettet in viele menschenfeindliche Einstellungen.

Falls jemand das Thema interessiert, kann ich die Ergebnisse der Studie „Gespaltene Mitte — feindselige Zustände“ über gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit sehr empfehlen.

9. Diese/n Politiker/in find ich gut, weil … muss ich passen. Gibt aber schon welche, die ich mehr mag.

Ein politisches Idol oder Vorbild habe ich nicht. Wenn ich mit früheren Zeiten vergleiche, würde ich mir generell wieder Politiker mit mehr Format wünschen. Allerdings würden in der heutigen Zeit die nun so verehrten Politiker aus früheren Zeiten vermutlich medial unter Dauerfeuer stehen, aufgrund ihrer zahlreichen Affären und Alkoholproblemen. Damals hat die Presse zu Geliebten und außerehelichen Kindern geschwiegen, obwohl sie jeden bekannt waren, heute undenkbar.

Da stellt sich mir allerdings auch die Frage, wollen wir gute Menschen oder gute Politik? Ich habe den Eindruck, dass manchmal vielleicht etwas zu viel von Politikern erwartet wird.

10. Von der zukünftigen Regierung wünsche ich mir … dass Geld in die Hand genommen wird, um Probleme anzugehen!

Ich möchte an dieser Stelle zunächst betonen, dass ich es durchaus sinnvoll finde, wenn geschaut wird, wo sich vernünftig sparen lässt. Leider hieß sparen in den letzten Jahren aber nur zu oft, die Infrastruktur so sehr verrotten zu lassen, dass nur noch ein Neubau in Betracht kommt. Auch werden völlig falsche Förderanreize gesetzt, indem neu bauen gefördert wird, aber die Instandhaltung von den Kommunen gestemmt werden muss. Das Ende vom Lied? Hier im Ruhrgebiet gehen Kinder entweder in Bruchbuden oder Neubauten zur Schule.

Seit die ersten Autobahnbrücken im Nordrhein-Westfalen wegen Rissen für LKWs gesperrt werden mussten, wird hier zwar endlich gebaut, aber an allen Ecken gleichzeitig und somit versinken wir noch stärker in Staus als früher. Wobei ich froh bin, dass Dank Zuschüssen vom Bund endlich Ausbau und Sanierung angegangen werden, dafür war es höchste Zeit. Dennoch bin ich sehr gespannt, wie unser neuer nordrhein-westfälischer Ministerpräsident Laschet die ganzen Staus wegzaubern will, denn das war ein zentrales Wahlversprechen von ihm (ich nehme mal an, da wird genau nichts passieren und ich frage mich immer noch, wie jemand so etwas versprechen kann). Und ich denke lieber nicht drüber nach, was passiert, wenn die ersten Eisenbahnbrücken – welche teilweise seit Jahrzehnten als dringend sanierungsbedürftig gelten – gesperrt werden müssen und der Eisenbahnverkehr hunderte Kilometer Umweg fahren muss …

Ansonsten wünsche ich mir dringend mehr Ausgaben für Bildung und zwar angefangen bei den ganz Kleinen. Denn da ist der „Return of Investment“ am größten. Natürlich müssen und sollen auch Erwachsene gefördert werden, aber während im Kleinkindalter wenige Euros einen gigantischen Unterschied machen, kostet es den Staat später mehrere hunderte Euro, bei nur einen Menschen etwas zu bewirken. Es kann und darf einfach nicht sein, dass in Deutschland 4 % bzw. 2 Millionen der Erwachsenen totale sowie mehr als 14 % bzw. 7,5 Millionen funktionale Analphabeten sind! Da braucht sich meiner Meinung nach keiner darüber zu wundern, wenn etwa 6% der jungen Menschen die Schule ohne Abschluss verlassen – ich frage mich da eher, ob alle Menschen mit Schulabschluss richtig lesen können!

Natürlich fallen mir neben Infrastruktur und Bildung noch jede Menge andere Themen ein, die ich gerne umgesetzt sähe, wofür aber die Zeit vermutlich einfach noch nicht reif ist. Allen voran das bedingungslose Grundeinkommen zusammen mit der Bürgerversicherung, dafür Abschaffung aller anderen staatlichen Leistungen. Wenn dies käme, wären direkt sehr viele sozialpolitische Themen abgehandelt.

Abschließende Worte und Linktipps

Ich hoffe, Ihr fandet diesen Einblick interessant. An diejenigen, die noch nicht wissen, ob sie zur Wahl gehen sollen, kann ich nur appellieren: Nutzt Euer Stimmrecht! Wenn Ihr Veränderung wollt, dann wählt, denn Nicht-Wählen bestätigt den Status Quo.

Überhaupt keinen Plan, wen ihr wählen sollt? Dann nutzt den Wahl-O-Mat  und lest auch die Begründungen bei den Thesen durch. Für Fans von Satire empfehle ich auf jedem Fall Die Partei mit in den Vergleich reinzunehmen, aber seid gewarnt: Tiefschwarzer Humor.

hr habt die „Systemparteien“ satt und wollt stärker eingebunden werden? Dann wählt eine der kleinen aufstrebenden Parteien wie zum Beispiel Demokratie in Bewegung. Nur wenn Wähler sich trauen, auch nicht etablierten Parteien ihre Stimme zu geben, können diese wachsen und den Sprung ins Parlament schaffen, beispielhaft angeführt seien das „One-Hit-Wonder“ Piratenpartei und das mittlerweile etablierte Bündnis 90/Die Grünen.

Auch viele andere Blogger haben sich mit der Bundestagswahl 2017 beschäftigt, Nicole und Tabea haben sich zum Beispiel mit den Wahlprogrammen verschiedener Parteien auseinandergesetzt und warum Ihr wählen solltet.

Und für die nächste Wahl noch folgende Tipps: Wenn Ihr am Wahltag verhindert seid, einfach Briefwahl beantragen. Vielerorts kann in den Wochen vor der Wahl auch direkt im Rathaus gewählt werden, einfach die Wahlunterlagen mitbringen. Keine Zeit gilt daher nicht!

5 Kommentare

  1. Erst mal danke ich für den Link!

    Und dann kann ich nur sagen, dass die Antworten toll sind.

    Ich wollte mich auch schon länger politisch engagieren, aber aktuell finde ich weder Zeit noch gibt es eine Partei, die meine Ansichten wirklich vertritt. Dabei würde mich das echt interessieren und ich will was in der Welt verändern.

    Und was die letzte Frage betrifft, unterschreib ich jeden deiner Sätze! Und den Umweltschutz würde ich zusätzlich noch erwähnen…

    Liebe Grüße

    • Hallo Tabea,

      willkommen im Blog und vielen Dank für den Link zurück!

      Was die Zeit angeht, sehe ich es so: Man hat sie nicht, sondern mensch muss sie sich nehmen 🙂 Und was die Politik angeht: Es gibt ja auch viele konkreten Initiativen, die sich um einen bestimmten Aspekt kümmern. Das ist immer eine gute Alternative, wenn jemand etwas bewegen möchte. Wer weiß, vielleicht findest du ja bald eine politische Bewegung, die dich anspricht und dann klappt es auch einmal auch mit der Zeit 🙂

      Ja, Umwelt ist auch sehr wichtig. Wobei, zumindest das mit den Dieselautos werden bald die Gerichte erledigen, wenn sich die Regierung da nicht rantraut.

      Liebe Grüße
      Elena

  2. Pingback: Bundestagswahl 2017: Warum kleine Parteien wählen? - Habutschu!

  3. „Wenn Ihr am Wahltag verhindert seid, einfach Briefwahl beantragen.“

    Das mache ich seit vielen Jahren, denn dann kann ich mich in Ruhe mit meinem Stimmzettel hinsetzen und bei den Direktmandaten im Zweifelsfall noch mal den Hintergrund recherchieren, ohne dass jemand hinter der Abschirmung ungeduldig darauf wartet, dass ich endlich mein Kreuzchen setze. 😉 Außerdem kommt es so bei mir nicht zu spontanen Meinungsänderungen, weil mir die Wahlwerbung so sehr auf die Nerven geht, dass ich von dem Ganzen nichts mehr sehen und hören möchte. ;D

    • Der Trend geht eindeutig zur Briefwahl, daher bist du absolut nicht alleine damit 🙂

      In meinem Fall weiß ich durch die Lokalzeitung ganz gut, wer die Direktkandidaten sind. Aber grad bei der Zweitstimme halte ich mir ganz gern bis zum Schluss offen, wen ich wähle. Gibt ja doch ab und zu interessante Abwicklungen. Außerdem zähle ich zu den taktischen Wählern.

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