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„Der Weg der Könige“ von Brandon Sanderson

Mit den Sturmlicht-Chroniken verspricht Brandon Sanderson, Maßstäbe im Bereich der epischen Fantasy zu setzen. Geplant sind im englischen zwei Pentalogien, so dass die Serie insgesamt zehn Bände umfassen wird – im Deutschen wird sie daher zwanzig Bände haben. Nicht nur deshalb ist dies eine außergewöhnlich lange Rezension von mir, die ich nun Jahre später mit dem Wissen über den Inhalt weiterer Bände angepasst habe. Wer nur schnell eine kurze Einschätzung von mir bekommen möchte, scrollt am besten direkt zum Punkt Empfehlung.


Mehr Informationen zum Buch

Autorin: Brandon Sanderson
Originaltitel: „The Way of Kings“
Deutscher Titel: „Der Weg der Könige“
Übersetzer: Michael Siefener
Reihe: „Sturmlicht-Chroniken“ #1.1
Seitenzahl: 896 Seiten
Verlag: Heyne Verlag
Veröffentlichungsdatum: 25. April 2011
Hörbuchsprecher: Detlef Bierstedt
Spieldauer: 27 Std. 55 Min. (ungekürzt)
Verlag: Random House Audio
Veröffentlichungsdatum: 7. Juli 2011

Roschar ist eine sturmumtoste Welt, die über Jahrtausende von übermenschlichen Kriegern regiert wurde, deren Schwerter jedes Leben auslöschen konnten. Doch die Krieger sind verschwunden und Roschar droht zu zerfallen. Das Schicksal der Welt liegt nun in den Händen derer, die es wagen, die magischen Schwerter zu ergreifen …

Inhalt

Kurze Beschreibung

Die Zeit der zehn Herolde und ihres Kampfes gegen die Bringer der Leere liegt so lange zurück, dass ihre Existenz nur noch als ferne Legende überliefert wird. Doch ihre magischen Splitterklingen haben überdauert.

Nach einem Attentat auf dem König von Alethkar kämpfen die Alethi mit ihren Großprinzen auf der zerbrochenen Ebene gegen die Parschendi. Unter ihnen ist der Bruder des ermordeten Königs, Großprinz Dalinar Kohlin, welcher von geheimnisvollen Visionen heimgesucht wird. Diese führen ihm vor Augen, dass der Traum seines Bruders vom geeinigten Königreich in Gefahr ist – doch seine Feinde schwächen seinen Einfluss, nicht zuletzt auf den von Paranoia zerfressenen König. Mit auf dem Feldzug befindet sich der versklavte Kaladin, der mit seinen Brückenmännern bei jedem Gefecht an die vorderste Front muss.

Währenddessen versucht Shallan das Mündel von Jasnah Kohlin zu werden. Vorgeblich, um Bildung zu erfahren und so zu Ruhm und Ehre zu gelangen. In Wahrheit jedoch, um Jasnahs Seelengießer zu stehlen, denn ihrer Familie droht der finanzielle Ruin. So kämpft jeder für sich um sein Überleben …

Aufbau und Protagonisten

Die Geschichte beginnt mit einem Präludium auf das Gesamtwerk, welches die zehn Herolde einführt. Danach folgt ein langer Prolog, welcher das vom Unwahren Szeth ausgeführte Attentat schildert. Erst danach beginnt die eigentliche Handlung, die sich zunächst überwiegend auf Kaladin und Shallan fokussiert.

Kaladin war vor seiner Versklavung Soldat und hat in seiner Kindheit das Heilen gelernt. Doch durch einen Verrat wurde er Sklave und ist nun voller Rachedurst gegen die Hellaugen. Sein Leben wird in zwei Zeitebenen erzählt, einmal beginnend in seiner Kindheit und die andere nach seiner Versklavung.

Shallan hingegen stammt aus einer recht unbedeuteten Hellaugen-Familie und ist eine exzellente Zeichnerin. Durch die Notsituation ihrer Familie sieht sie keinen anderen Weg, als das Mündel der Häretikerin Jasnah Kholin zu werden, um die Gelegenheit zum Diebstahl ihres Seelengießers zu bekommen.

Erst später in der Handlung kommt Dalinar mit seinen Söhnen hinzu und somit der Kampf auf der zerbrochenen Ebene. Hier wird klar, wie es um das Königreich Alethkar bestellt ist. Doch durch seine Visionen, die den „Schwarzdorn“ Dalinar so nachdenklich machen, leidet sein Ruf. Und so gilt er nur als verschroben durch seine Bemühungen, das Buch „Der Weg der Könige“ auf sein Leben anzuwenden …

Meinung

Der Auftakt der Sturmlicht-Chroniken, im Englischen „Stormlight-Archive“, entführt in eine fremde Welt, die durch ihre sorgfältige Ausarbeitung beeindruckt. Dies möchte ich anhand verschiedener Beispiele belegen.

Einschätzung zum drumherum

Neben den verschiedenen Rassen, welche teilweise über höchst beeindruckende Fähigkeiten verfügen, gibt es ein einfaches Herrschaftssystem: Der Stand bestimmt sich anhand der Augenfarbe. Die sogenannten Hellaugen sind die Herrscherkaste, während die Dunkelaugen einfache Arbeiter oder sogar Sklaven sind. Es gibt einzigartige soziale Regel, wie zum Beispiel, dass nur Frauen lesen und schreiben dürfen – so braucht eigentlich jeder erfolgreicher Mann auch eine fähige Frau.

Noch faszinierender gestaltet sich das Magiesystem, was auf Sturmlicht basiert und sich in seinen einzelnen Facetten sehr aufregend gestaltet. So gibt es ein spezielles Werkzeug namens Seelengießer, die ein Material in ein anderes verwandeln können. Gleich zu Anfang des Buches wird aber auch das sogenannte Peitschen vorgestellt, was nur wenige beherrschen und mit dem Verschieben der Schwerkraft arbeitet.

Zudem gibt es eine interessant angelegte Religion, wobei ich sicher bin, dass deren Priesterkaste der Feuermacher noch eine große Rolle in den zukünftigen Bänden spielen wird.

Ein weiteres Highlight sind die Splitterklingen und die dazu passenden Rüstungen, welche unglaubliche Fähigkeiten verleihen. Gut gefallen hat mir das Vorstellen der Kampftechniken, allen voran der Einsatz der Brückenmänner.

Auch die Besonderheiten der Natur sollten erwähnt werden: Aufgrund des regelmäßig auftretenden Phänomen des Großsturms haben sich die Pflanzen so angepasst, dass sie sich zurückziehen können.

Ein schönes Detail sind die sogenannten Sprengsel, die es in allen möglichen Arten gibt: Ruhmsprengsel werden vom Ruhm angezogen, Fäulnissprengsel von infizierten Wunden und so weiter.

Und dann ist da noch die unfassbar große Welt, die sich sowohl landschaftlich als auch kulturell in ihren einzelnen Teilen stark unterscheidet.

Drawn by Isaac Stewart

Einschätzung zur Geschichte an sich

Dies ist jedoch alles nur Beiwerk, im Mittelpunkt stehen eindeutig die Protagonisten. Doch Brandon Sanderson versteht es, geschickt das Erleben seiner Charaktere mit dem Erklären ihrer Welt zu verbinden. So wird der Leser nicht in Unwissendheit gelassen, zugleich aber auch nicht mit abschweifenden Erläuterungen gelangweilt. Dennoch schadet eine gewisse Vorliebe für ausführliche Beschreibungen nicht, ich fand die Länge gut gewählt.

Überhaupt beweist sich Brandon Sanderson als begabter Erzähler. Er wechselt nicht ständig die Perspektive, sondern bleibt oftmals für ganze Kapitel bei dem jeweils handelnden Protagonisten. Wenn doch einmal Dritte einen Auftritt haben, wird diese Person zumindest über mehrere Seiten, wenn nicht sogar durch das ganze Kapitel begleitet. Auch ist bemerkbar, dass jeder Charakter anders spricht, handelt und denkt, somit einzigartig ist. Mir hat es insbesondere ein bestimmtes Windsprengsel angetan. Aber auch der innere Konflikt von Szeth, der an seinen Glauben gefesselt ist und mit seinen Wesen hadert, ist sehr gut dargestellt.

Ein paar negative Aspekte habe ich dennoch zu berichten: Da dies der erste Teil einer groß angelegten Saga ist, dauert es etwas, bis der Leser in die Geschichte abtaucht – das ist leider nahezu unvermeidlich und ich empfand es nicht als gravierend. Im Mittelteil gibt es nur eine Zeit von eins, zwei Stunden (das entspricht etwa 60 Seiten), wo ich zu gern einmal von Dalinars Visionen weg gekommen wäre. Es war nicht direkt langatmig, aber mich hätte mehr interessiert, was währenddessen Shallan oder der Unwahre treiben. Dass es sich an dieser Stelle so zog, könnte aber auch am Medium gelegen haben. Ziemlich weitschweifig wurde auch die Lebensgeschichte von Kaladin erzählt. Dies empfand ich zwar zu keiner Zeit langweilig, wäre aber sicherlich auch kürzer fassbar gewesen.

Ein weiterer Minuspunkt, welcher aber nicht der Autor verschuldet hat, ist das Aufteilen des ersten Bandes in zwei Teile in der Übersetzung. Es wird zwar an einer wirklich sinnvollen Stelle der Schnitt gemacht. Dennoch ist bemerkbar, dass der Schluss in „Der Weg der Könige“ nicht das echte Ende der Geschichte ist und der Leser bleibt somit in der Luft hängen. Das ist schade, doch – ohne jetzt eine große Diskussion über das Teilen von Büchern anstoßen zu wollen – war es bei diesem gewaltigen Umfang der Übersetzung wohl unvermeidbar. Ein 50-stündiges Hörbuch hätte ich auch nicht unbedingt hören wollen, was mich zum nächsten Punkt bringt.

Verschiedene Fassungen

Hörbuch

Zu Beginn hatte ich ein wenig Angst, dass mir, ohne die Möglichkeit nachschlagen zu können, bei einem Hörbuch der Überblick verloren gehen könnte. Zum Glück erzählt Brandon Sanderson „hörbuchtauglich“ und so war das Medium durchaus eine gute Wahl.

Der Sprecher Detlef Bierstedt hat eine zunächst ziemlich rau und kratzig erscheinende Stimme, doch mit etwas Gewöhnung konnte ich mich sehr gut mit ihr anfreunden. Natürlich klingen die weiblichen Akteure hier eher weniger fraulich, was aber aus meiner Sicht nicht stört, wird die Geschichte schließlich von einer dritten Person erzählt. Eine weibliche Stimme wäre für diese Geschichte ohnehin verfehlt gewesen, sie ist dazu einfach zu „männlich“.

Detlef Bierstedt schafft es zudem, den Charakteren individuelle Stimmen zu verleihen, ohne dass es gekünstelt klingt. Wenn ein schriftliches Namensverzeichnis beigelegt würde, wäre es perfekt. Aber auch so ist das Hörbuch ein Genuss und nur in einzelnen Detailfragen hätte ich mir das gedruckte Buch zum Nachschlagen gewünscht.

Gedrucktes Buch

Mittlerweile besitze ich auch das gedruckte Buch und weiß daher, dass im Vorsatz jeweils wunderschöne bunte Abbildungen zu finden sind, die in geographischen oder mythologischen Bezügen zum Buch stehen. Auch im Buch selbst finden sich zum Beispiel am Anfang von Kapiteln wunderschöne Zeichnungen, zudem sind die . Zudem gibt es einen Anhang, wo auf verschiedene Details eingegangen wird. Daher kann ich je nach Vorliebe auch das gedruckte Buch sehr empfehlen!

Empfehlung?

Aus meiner Sicht sind die Sturmlicht-Chroniken für Fans der epischen Fantasy ein Muss, nicht zuletzt dank der interessanten weiblichen Charaktere! Neueinsteigern in das Genre sollte bewusst sein, dass dieses Buch aufgrund der Teilung in der deutschen Übersetzung nur die Hälfte des ersten Bandes ist. Dementsprechend ist „Der Weg der Könige“ nicht darauf ausgelegt, am Ende zum dramatischen Höhepunkt zu kommen.

Wer Freude an einem ausgeklügelten Gesellschaft- und Magiesystem sowie ausführlicher Charakterentwicklung hat, sollte jedoch schon im ersten Band voll auf seine Kosten kommen, denn Brandon Sanderson verwendet viel Zeit für die Vorstellung seiner Charaktere und der Welt. Wichtig ist jedoch im Hinterkopf zu behalten, dass dies der Auftakt zu einer gewaltigen Serie ist und deshalb hier vor allem eingeführt wird, die wirklich spannenden Entwicklungen beginnen erst allmählich am Ende des ersten Bandes.

Doch schon im zweiten Band gibt es einige sehr spannende Plottwists. Ab den dritten Band fügen sich viele Puzzleteile zusammen, wobei sich auch zahlreiche neue Fragen ergeben. Wenig verwunderlich, denn es soll ja auch noch viele weitere Bände lang spannend bleiben.

In einem Satz

„Der Weg der Könige“ ist der Beginn eines Epos, der mit seiner ausgeklügelten Handlung, den starken Protagonisten und seinen zahlreichen Details alle Anlagen dazu hat, Maßstäbe im Fantasy-Genre zu setzen.

Diese Rezension wurde das erste Mal am 29. Juli 2011 veröffentlicht, der Beitrag ist eine für diesen Blog überarbeitete Fassung.
Dir hat die Rezension gefallen und du überlegst, dir das Buch zu kaufen? Dann würde ich mich freuen, wenn du es über diesen Link zu „Der Weg der Könige“ von Brandon Sanderson tust.
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2 Kommentare

  1. Das klingt auf jeden Fall wirklich spannend und nach etwas das mir gefallen könnte.
    Ich bin wirklich nicht einfach was Fantasy angeht und nicht schnell zu überzeugen, aber ich denke diesem Buch (und somit dieser Reihe) werde ich mal eine Chance geben.

    • Elena sagt

      Hallo Cathy,

      das fände ich echt toll, wenn du Sanderson mal ausprobierst. Gibt Fantasy-Leser, die sind wie ich total begeistert. Gibt aber auch welche, denen sagt er als Autor nicht so zu. Ich bin sehr gespannt auf dein Feedback 🙂

      Viele Grüße
      Elena

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